Zeitung Heute : BAUMÄNGEL

Es ist eigentlich kaum vorstellbar, dass mitten in Europa, zumal in Deutschland, ein neu errichteter Flughafen nicht in Betrieb geht, einfach weil auf der Baustelle gepfuscht wurde. Dennoch steht angesichts immer neuer Mängel die Frage im Raum: Ist der BER bereits eine Bauruine? Ausgeschlossen ist nichts mehr. Selbst Technikchef Horst Amann, als Retter in die Flughafengesellschaft geholt, ist seit Monaten nicht mit Bauarbeiten beschäftigt, sondern nur noch auf Fehlersuche – und er fand immer mehr. Vor einer Woche zog er die Reißleine und erklärte den Eröffnungstermin am 27. Oktober 2013 für nicht haltbar.

Zu Wochenbeginn sagte Amann auch, warum: Die Brandschutzanlage funktioniere noch immer nicht. Als er seinen Job aufgenommen habe, sei er davon ausgegangen, dass man mit den vorhandenen Gebäuden und Installationen weiterkomme. Dass die Substanz ausreiche, um nachzuweisen, dass das Gebäude (in seiner nicht der Baugenehmigung entsprechenden Form) am Ende doch sicher sei und genehmigt werden könne.

Deshalb sei er von einer Eröffnung im Herbst 2013

ausgegangen.

Es kam anders. Die hochkomplexe Brandschutzanlage ist aus Sicht der zuständigen Bauaufsichtsbehörde im Landkreis Dahme-Spree nicht genehmigungsfähig. Entweder müsse ein neuer Bauantrag her oder die Anlage müsse entfernt und eine neue eingebaut werden, heißt es dort.

Amann sagte es so: „Wir prüfen jetzt, ob es sinnvoll ist, auf der Schiene des Testens und des Nachweises weiterzufahren, oder ob es nicht doch der kürzere und bessere Weg ist, das eine oder andere baulich zu verändern.“

Es geht um die Frage, ob ein Umbau nicht der schnellere Weg ist. Die Prüfung dauert etwa ein halbes Jahr, dann muss neu geplant, alles mit der Baubehörde abgestimmt und womöglich neu gebaut werden.

Und es droht weiteres Ungemach. Amann sagt, er sei „teilweise auf grauenhafte Probleme“ gestoßen. Bis heute gebe es Überraschungen auf der Baustelle.

60 Kilometer lange Kühlleitungen sind unter Decken und in Mauern verlegt worden, allerdings ohne die nötige Dämmung. Ob Wände aufgerissen werden müssen, ist noch unklar. Das gilt auch für Stahlträger, bei denen die Brandschutzbeschichtung fehlerhaft ist. Überdies müssen Kabelschächte erneuert werden, da sie überbelegt wurden. Hinzu kommen zu kurze Rolltreppen vom Terminal zum Bahnhof, fehlende Genehmigungen für die Tankanlage unter dem Rollfeld, eine zu klein bemessene Kühlanlage für die Computeranlage, Probleme im Steuerungsnetzwerk und undichte Belüftungsschächte, durch die Wasser in den Bahnhof läuft.

Ist das alles zu schaffen? Experten rechnen nicht damit, dass der BER zur Bauruine wird. Das könne sich niemand leisten. Auch Amann ist zuversichtlich. Es werde ein toller Flughafen, den wolle er auch in Betrieb nehmen. Wenn nicht noch mehr Überraschungen warten.

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