Zeitung Heute : Baustelle Berlin

Viele Architekten machten große Pläne für Berlin. Manche wurden ausgezeichnet – und trotzdem verworfen. Wie zuletzt Peter Zumthors „Topographie des Terrors“. Hier sind ein paar andere Beispiele. Ein Spaziergang zu nie gebauten Sehenswürdigkeiten

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Von Michael Buchholz Unser Spaziergang beginnt am MarxEngels-Forum, mit Blick auf die Asbestruine des Palastes der Republik. Hier sollte nach der Gründung der DDR im Oktober 1949 der „zentrale Platz“ der sozialistischen Hauptstadt entstehen. Zunächst wurde ein Aufmarschfeld angelegt und Marx-Engels-Platz getauft, größer als der Rote Platz in Moskau. Das kriegsbeschädigte Stadtschloss stand im Wege, daher wurde es im Winter 1950/51 komplett abgerissen. Der entstandene Raum auf der Spreeinsel bot zusammen mit dem Lustgarten genug Platz für Erster-Mai-Feiern, an denen bis zu einer Million Demonstranten teilnahmen.

Der „zentrale Platz“ sollte weithin sichtbar sein. Also plante man in der Nachbarschaft, auf dem heutigen Marx-Engels-Forum, ein „zentrales Gebäude“ für die Volkskammer und die DDR-Regierung. Eine Stadt- und Staatskrone sollte es sein, das mit 150 Metern höchste Gebäude nicht nur in Berlin, sondern in Deutschland. Bis 1962 hielt die DDR-Regierung an dieser Vision fest, zu der zahlreiche Architektenentwürfe eingeholt wurden.

Die große Abbildung zeigt das Ende der 50er Jahre von der DDR-Führung favorisierte Hochhaus von Gerhard Kosel, davor den Aufmarschplatz zwischen Dom (links) und Marstall (rechts), im Hintergrund den Turm des Roten Rathauses. Wo in den 80er Jahren das Nikolaiviertel historisierend wieder aufgebaut wurde, ist nur eine Baumreihe zu sehen: Dort sollte sich das Regierungshochhaus in einem künstlichen See, gespeist von der Spree, spiegeln.

In der Chruschtschow-Ära galt eine derart massive Selbstdarstellung des Staates als nicht mehr zeitgemäß. An der Idee einer Höhendominante im Stadtzentrum hielten die DDR-Stadtplaner zwar fest, doch sie wurde politisch neu definiert: 1969 nahm sie mit dem Fernsehturm als Symbol der angeblichen technischen Überlegenheit des real existierenden Sozialismus am Alexanderplatz Gestalt an, pünktlich zum 20. Jahrestag der DDR. Die Volkskammer und das vergnügungslustige Volk bekamen erst 1976 ein Haus auf dem Schlossareal: den Palast der Republik.

Geplant

Ein Sowjetpalast

Gebaut

Der Palast der Republik

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