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ALBRECHT DÜMLING

Das Gaede-Trio mit einem Eisler-Bach-Programm im SchauspielhausALBRECHT DÜMLINGZwischen Wien und Berlin gibt es viele Verbindungen, so die Komponisten Schönberg und Eisler, die vor ihren Berliner Jahren in Wien lebten.Eine jüngere Brücke stellt das 1991 in Berlin gegründete Gaede-Trio dar.Es existiert weiter, obwohl Daniel Gaede inzwischen zum Konzertmeister der Wiener Philharmoniker berufen wurde.Seine Partner bekleiden Führungspositionen in der Staatskapelle Berlin: Thomas Selditz als erster Solobratscher und Andreas Greger als erster Solocellist.Gemeinsame Auftritte sind deshalb seltene, aber lohnende Ereignisse. Bereits vor seinem Studium bei Schönberg hat Eisler 1918 sein Scherzo für Streichtrio begonnen.In der Verbindung von faßlicher Form, polyphoner Durcharbeitung mit grotesken Elementen ist es schon typisch für seinen Personalstil.Zu bedauern ist nur das Fehlen weiterer Sätze.Das Gaede-Trio hob auch die zärtlichen Momente hervor, die dieses Scherzo mit dem nachfolgenden B-Dur-Allegro von Schubert verbinden. Zwischen Wien und Berlin liegt die Bachstadt Leipzig.Das Programm, mit dem das Gaede-Trio zum Abschluß einer kleinen Deutschland-Tournee im Schauspielhaus auftrat, akzentuierte gerade diese Beziehung.Der gebürtige Leipziger Eisler verehrte den Thomaskantor über alles.In Präludium und Fuge über B-A-C-H für Streichtrio op.46 integrierte er 1934 das Motto in eine Zwölftonreihe.Das erinnert an Schönbergs Orchestervariationen op.31, ist trotz der drei Themen in der Fuge aber viel faßlicher.Die mustergültige Wiedergabe des Gaede-Quartetts unterstrich dies durch Profilierung der Charaktere.So stand dem leidenschaftlichen Motto die schattenhafte Fahlheit der ersten Variation gegenüber. Zu den größten Herausforderungen für Streichtrio gehören seit einigen Jahren Bachs Goldberg-Variationen in der Bearbeitung Dmitry Sitkovetskys.Zusammen mit Gérard Caussé und Mischa Maisky hatte er 1987 bei den Berliner Festwochen durch Attacca-Übergänge gerade die zyklische Einheit des Riesenwerks betont.Die Interpretation des Gaede-Trios hob sich durch Orientierung an der historischen Aufführungspraxis und Individualisierung der Einzelsätze davon ab.Auch die ungewohnte Sitzordnung mit der Violine in der Mitte unterstützte die wunderbare klangliche Ausgeglichenheit und Homogenität.Bei der Unterscheidung von Haupt- und Nebennoten gab es ebensowenig Probleme wie bei lebhafter Virtuosität. Bei manchen Sätzen spürte man allerdings die hohe Konzentration, die ein Spiel mit geringem Bogendruck und fast ohne Vibrato erforderte.Wenn vielleicht auch die großformale Gliederung noch markanter hätte ausfallen können, so war es insgesamt doch eine Leistung, die den herausragenden Rang des Gaede-Trios bestätigte.Eisler hätte seine Freude gehabt an dieser Form intelligenter Unterhaltung sowie an dem Brückenschlag Wien-Leipzig-Berlin.

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