Zeitung Heute : Begabung allein genügt nicht

ANDREAS ROEPKE

Zehn überregionale Studienförderwerke kümmern sich in Deutschland um unsere Elite von morgen.Rund 13 200 hochbegabte Studenten und Graduierte konnten sich im vergangenen Jahr dank eines recht ansehnlich dotierten Stipendiums ganz auf ihr Studium konzentrieren.Allerdings waren dies 800 Studenten weniger als im Jahr zuvor, denn Staat und öffentliche Hände, die die Studienstiftungen zum größten Teil finanzieren, stellten rund fünf Millionen Mark weniger als 1996 zur Verfügung.Den Löwenanteil übernimmt mit etwa 70 Prozent das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie.Den Finanzierungsrest tragen das Auswärtige Amt in Form von Unterstützungsleistungen für die Auslandsstudenten und natürlich die Studentenwerke selbst.

Etwa jede neunte Mark wird aus privaten Spenden und Stiftungsmitteln finanziert.So standen 1997 insgesamt noch rund 140 Millionen Mark zur Verfügung, die gemäß den aktuellen Verordnungen zum Bundesausbildungsförderungsgesetz unter den Studenten verteilt werden konnten.Seit Juli diesen Jahres erhält jeder ein vom Einkommen der Eltern beziehungsweise Ehegatten abhängiges Grundstipendium von maximal 940 Mark im Monat plus einem Büchergeld von 150 Mark und einen Zuschlag zur Kranken- und Pflegeversicherung von 90 Mark.Ein Doktorand kann mit bis zu 1400 Mark Unterstützung im Monat rechnen.Doch im Schnitt erhält nur jeder zehnte Antragsteller eine Förderzusage.Berücksichtigt man die Einstellung der neuen Bundesregierung zum Thema Elitenbildung, so ist nicht zu erwarten, daß sich dieses Verhältnis in den nächsten Jahren deutlich verbessern wird.

Um in den Genuß einer Förderung zu gelangen, reicht es nicht aus, einfach nur überdurchschnittlich begabt zu sein.Eine besondere charakterliche Reife und ein ausgeprägtes politisches Interesse werden ebenfalls vorausgesetzt.Auch die Bereitschaft zu sozialem Engagement müssen die Aspiranten mitbringen.Und sie müssen diese unter Beweis stellen, denn die Studienförderwerke verlangen von ihren Stipendiaten eine aktive Beteiligung zum Beispiel an kirchlichen Arbeiten oder Projekten in der Studentengemeinde.

Bei sechs der zehn Stiftungen reicht eine Selbstbewerbung der Kandidaten aus, um an den zumeist zweitägigen Auswahlseminaren mit Klausuren, Gruppendiskussionen und Einzelgesprächen teilnehmen zu können.Andere Förderwerke bestehen auf besondere Referenzen, die von Stiftungsmitgliedern, Professoren oder Vertrauensdozenten eingeholt werden müssen.Die (mit 5011 geförderten Studenten) mit Abstand größte Stiftung, die Studienstiftung des Deutschen Volkes e.V., akzeptiert zum Beispiel nur deutsche und ausländische Abiturienten und Studenten auf Vorschlag von Lehrern oder Hochschullehrern.Selbstbewerbungen sind unerwünscht.Die Förderwürdigkeit wird durch Überprüfung der Studienleistungen und durch Semesterberichte ständig überwacht.Ein Leistungsdruck, der sich zwangsläufig positiv auf die Prüfungsergebnisse der Studenten auswirkt und die Elitenbildung somit unterstützt.

Frauenförderung ist durchaus kein reines Lippenbekenntnis der Studienförderwerke.Weit über Durchschnitt liegt zum Beispiel mit 70 Prozent der Frauenanteil bei der Heinrich Böll Stiftung.Beim Evangelischen Studienwerk sind es immerhin noch stattliche 60 Prozent.Insgesamt betrachtet entspricht der Anteil der weiblichen Stipendiaten genau der studentischen Frauenquote an unseren Hochschulen von 42 Prozent.

Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., der mit 1800 Studenten drittgrößten Stiftung in Deutschland, kann man sich bis zum 32.Lebensjahr zwar selbst bewerben.Allerdings sind die Bewerbungen erst ab dem 2.Fachsemester möglich.Eine Ausnahme wird nur bei den FH-Studenten gemacht.Im Gegensatz zu anderen Stiftungen muß sich der Stipendiat auch eine einjährige Probezeit gefallen lassen.Jahresberichte und die verbindliche Teilnahme an Seminarprogrammen runden hier die besonderen Verpflichtungen und Leistungsnachweise ab.

Informationen: Studienstiftung des Deutschen Volkes e.V., Mirbachstraße 7, 53173 Bonn, t 02 28 / 820 960, E-Mail: sdv@studienstiftung.bn.shuttle.de

Hans-Böckler-Stiftung, Bertha-von-Suttner-Platz 1, 40227 Düsseldorf, t 02 11 / 77 78 -145, E-Mail: stuf-bewerberauswahl@boeckler.de

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Begabtenförderung, Rathausallee 12, 53757 St.Augustin, t 02 241 / 246 310, E-Mail: zentrale-wd@wd.kas.de .

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