Zeitung Heute : Bei DJ Bruce auf der Tanzfläche: Premierenparty im Planet Hollywood

ANDREAS CONRAD

Der erste Fehler dieses Abends: Wir haben keine Karte.Auch auf der Gästeliste für die Tobis-Premierenparty von "Breakfast of Champions" im Planet Hollywood: Kein Eintrag.Erste Verhandlungen mit den Muskelmännern, das Publikum hinter der Absperrung schaut zu.Verweis an die nächsthöhere Ebene: Die kann sich an die telefonische Anmeldung erinnern, rügt das Versäumnis, die Tickets nicht abgeholt zu haben, zupft zwei Plastikkarten "Print" aus der Tasche.Damit kommen wir bis zur Tür."Falsche Karte!" Also zurück zur vorigen Instanz, mit deren Hilfen kommen wir durch die Tür.Nach zwei Metern die nächste Sperrlinie: "Zurück!" Neuer Wortwechsel, dann sind wir drin.

Vom Hausherren vorerst keine Spur.Wahrscheinlich steht Bruce Willis noch im Zoopalast auf der Bühne oder durchschreitet mit Nick Nolte die Menge.Hier steht vorerst nur Volker Schlöndorff mit seiner Zigarre rum, Sat-1-Programmchef Fred Kogel, Produzent Horst Wendlandt, auch die als Glücksradfee bekannt gewordene Maren Gilzer, Serienheld Pierre Franckh mit seiner Michaela Merten, Kollege Martin Armknecht - Heimat, deine Sterne.Einige Berlinale-Schauspieler tauchen auf, Elias Kotesa und Will Wallace aus "The Thin Red Line".Sean Penn, so hört man, sei schon wieder weg, Terrence Malick guckt sich Weimar an.

Die Bildschirme des Planet flimmern, sonst sorgen Filmszenen für Unterhaltung beim Essen.Diesmal im Programm: das Volk.Per Video wird das Heer der Namenlosen draußen vor der Tür nach drinnen übertragen, auch läßt sich schadenfroh die Mühsal des Zutritts studieren.Immerhin, der völlig hoffnungslosen Zaungäste wird gedacht, Tabletts mit Stärkungen wandern nach draußen: Brot und Spiele.

Mittlerweile ist es zehn nach elf.Auftritt Nick Nolte, wenig später Bruce Willis.Regisseur Alan Rudolph zählt nicht mehr.Seit dem Nachmittag haben Willis und Nolte die Rollen getauscht, letzterer nun in dezentem Schwarz, Willis als bunter Vogel.Fellstiefel, seitlich geknöpfte Jogging-Schlabberhosen, T-Shirt mit Lederjacke, Mütze.Klimatechnisch beginnt sein Outfit also in Berlin und arbeitet sich über Cannes bis Venedig hoch.

Das alles ist von innen bequem zu beobachten, man kennt das von Popkonzerten.Dem Star so fern und doch so nah.Oder umgekehrt.Was Willis nun in die Menge wirft, ist aber nicht genau zu sagen.Kamelle womöglich, wegen Karneval? Jedenfalls macht er den Jecken, steckt sich ein Filmgebiß in den Mund, fletscht die maroden Zähne.

Im Obergeschoß Rufe und Johlen, als der Hausherr endlich sein Lokal betritt.Die Belegschaft eilt, ihn zu begrüßen.Für uns bleibt er ein Bildschirmheld, ein Blondchen moderiert nun ein wenig, auch David Willis, sein Bruder, wird vorgestellt, ebenso Schauspielerin Barbara Hershey, angeblich mit Nolte liiert, aber wer weiß das schon genau bei diesen Stars? Dann endlich steigen sie hernieder - und verschwinden im VIP-Bereich.

Aber der Abend ist noch lange nicht zu Ende.Bruce wird wieder auftauchen und uns gut gelaunt den DJ machen, von James Brown über Prince bis zu Abba.Und wenn die Muskelmänner nicht wären, könnte man die Party ebenso gut gelaunt genießen.Plötzlich sollen die Fotografen die Kameras senken.Die zugesagte Zeit wurde, übliche Verzögerung, vorne abgeknapst, hinten aber bleibt alles beim alten.Und es wage nur einer, sich in der Nähe des Mischpults noch Notizen zu machen.Schon naht ein Muskelmann, beugt sich mahnend vor, dringt auf Einstellung aller derartigen Aktivitäten.Sorry, Bruce, aber was soll man machen? Schluß, aus, Feierabend.

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