Bei Lichte besehen : Oliver Pocher und Karla Kolumna

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Nun ein kleiner Tip zum Party-Crashen. Man stelle sich vor: Eine Gala, sagen wir „Cinema for Peace“ anlässlich der Berlinale, Eintrittspreis 1000 Euro, auf der Gästeliste Menschen wie Leonardo DiCaprio oder Michail Gorbatschow. Wie kommt man rein als kleines Licht ohne originelle Idee, wie naschen vom großen Kuchen auf lau, wie auch einmal strahlen dürfen im Licht der Scheinwerfer? Mann, in diesem Fall ein Oliver Pocher, der mal kurz Assistent von Harald Schmidt war, hat es so gemacht: Hat sich eine rote Perücke gekauft, grell geschminkt, hat einen Mantel mit Leopardenmuster übergezogen, ein Kamerateam engagiert, ein Mikro in die Hand genommen und sich als Gesellschaftsreporterin, vulgo: Klatschreporterin, ausgegeben. Und das soll klappen? Natürlich nicht. Zumindest nicht bei den Wachmännern der Gala und dem Management von DiCaprio, das die sofortige Entfernung der Nervensäge verlangte, anderenfalls der Star nicht käme. Lady Oliver hat dann aber noch etwas rumgezickt, hat sich nicht abweisen lassen und noch mehr rumgezickt. So lange, bis die ganze Aktion dümmer war als die Polizei erlaubt, die dann auch kam und dieser Karla Kolumna (für Nichteltern: das ist die schreckliche Klatschreporterin aus Benjamin Blümchen) einen Platzverweis erteilte. Ach, es ist eben nicht leicht, ein Hape Kerkeling zu werden.

Ja, Hape Kerkeling. Wir schreiben den 25. April des Jahres 1991. Im Schloss Bellevue steht ein feines Mittagessen an anlässlich eines Staatsbesuchs, auf der Gästeliste die niederländische Königin Beatrix und ihre Entourage. Ein Wagen fährt vor, eine Art Staatskarosse mit Standarte. Heraus steigt, ja ist das nicht Beatrix, alleine und inkognito? Freundlich begrüßt die Königin das Personal, freut sich in gutem Deutsch und mit holländischem Akzent auf das leckere Mittagessen, zickt nicht rum, macht keine Welle, hat keinen lärmenden Auftritt. Und als das Wachpersonal sie anspricht und bittet, doch vor Eintritt des Besuchs das Gelände zu verlassen, spätestens da ist klar, dass unter Beatrix Betonfrisur Hape Kerkeling steckt. Ein Spaß, eine gelungene Performance, man kann sie heute noch im Netz anschauen, ein Komödiant! Dagegen Oliver Kolumna: Idee geklaut, miserabel kopiert, schlecht vorgeführt. Und doch gebührt Oliver Pocher auch Dank: Selten einmal wurde der Unterschied zwischen Original und Fälschung, zwischen Können und Klamotte so entlarvend vorgeführt. Das Schlusswort für Karla von Benjamin Blümchen: Törööö!Helmut Schümann

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