Zeitung Heute : Beinahe-Katastrophen

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19. Oktober 1989, Vandellos, Spanien: Nach einer Explosion brennt die Turbinenhalle des Gas-Graphit-Reaktors über viereinhalb Stunden. Die Stromversorgung des Kühlsystems steht kurz vor dem Zusammenbruch. Das Kraftwerk wurde stillgelegt.

11. Oktober 1991, Tschernobyl, Ukraine: In Block 2 gerät die Turbinenhalle in Brand. Das einstürzende Dach legt das gesamte Kühlsystem lahm. Der Mannschaft gelingt in letzter Minute die Einleitung von zusätzlichem Kühlwasser mit Hilfe einer provisorischen Pumpenkonstruktion. Der Reaktor wurde nicht wieder in Betrieb genommen.

24. März 1992, Sankt Petersburg, Russland: Im Block 3 des Atomkraftwerks Sosnowy Bor vom Tschernobyl-Typ RBMK platzt eine Druckröhre, das Uran schmilzt, und radioaktive Gase verseuchen das Reaktorgebäude und die Umgebung. In Lovisa in Südfinnland liegt die Strahlung durch radioaktives Jod kurzzeitig 1000 mal höher als normal.

6. April 1993, Tomsk, Russland: In der russischen Plutoniumfabrik explodiert ein Tank mit plutoniumhaltigen Lösungsmitteln. Das Gelände der Anlage sowie 120 Quadratkilometer wenig besiedeltes Wald- und Bergland werden radioaktiv verseucht.

14. Dezember 2001, Brunsbüttel, Deutschland : Am Deckel des schon seit 1976 betriebenen Reaktors explodiert eine Knallgasblase und zerreißt eine Notkühlleitung über die Länge von 2,7 Metern. Nur durch Glück bleibt der Druckbehälter unbeschädigt.

6. März 2002, Oak Harbor, Ohio, USA: Im AKW „Davis Besse“entdecken Arbeiter, dass der Druckbehälter in Folge eines Lecks an den Steuerstäben bis auf 15 Zentimeter Tiefe durchgerostet ist. Die Kraftwerksleitung hatte die nötigen Inspektionen über acht Jahre aufgeschoben.

29. März 2003, Paks, Ungarn: In einem Reinigungstank lässt die Mannschaft 30 heiße Brennelemente ohne ausreichende Kühlung. Das Wasser verdampft, das Uran schmilzt. Nach Öffnung des Deckels kommt es zu einer Dampfexplosion, und radioaktives Gas gelangt über die Lüftung in die Umgebung. Die erhöhte Strahlung ist noch in 100 Kilometern Entfernung messbar.

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