Zeitung Heute : Beitrag zur Altersverunsicherung

Die Riester-Rente steht in der Kritik. Für wen lohnt sich die staatlich geförderte Vorsorge überhaupt?

Corinna Visser

Viele Menschen fürchten sich davor, im Alter arm und krank und auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Das erklärt, warum ein Bericht, wonach sich die staatlich geförderte Riester-Rente für Millionen von künftigen Rentnern gar nicht lohnen soll, für heftige Diskussionen gesorgt hat. Das ARD-Magazin „Monitor“ berief sich dabei auf die interne Berechnung eines Rentenversicherers. Demnach habe voraussichtlich selbst ein Durchschnittsverdiener, der 32 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, im Jahr 2030 keinen Nutzen von einer Riester-Rente. Denn die Rentenzahlung werde später auf die Grundsicherung im Alter angerechnet, ebenso wie alle anderen Einkommen. „Je weniger Beitragsjahre ein Versicherter hat und je geringer in dieser Zeit seine Beiträge sind, desto weniger lohnt sich Riester“, lautete das Fazit. Dies hat viele Menschen auch deshalb verunsichert, weil Versicherungsvertreter die Riester-Rente immer gern mit dem Argument verkauften, sie lohne sich vor allem für Geringverdiener.

Der frühere Arbeitsminister Walter Riester (SPD) warf dem Magazin vor, mit verzerrten Behauptungen eine „gnadenlose Verunsicherung gering verdienender Menschen“ zu betreiben. Auch das Bundesarbeitsministerium wies die Behauptung, für Geringverdiener sei der Abschluss einer Riester-Rente nicht sinnvoll, als falsch zurück. Annelie Buntenbach, Sozialexpertin im DGB-Vorstand, kritisierte dagegen, dass Arbeitnehmer mit geringen Einkommen zu Recht das Gefühl hätten, dass sich für sie weder die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung noch zusätzliche Vorsorge überhaupt lohne, weil der Staat ihnen ihre Anwartschaften über die Anrechnung bei der Grundsicherung wieder wegnehme.

Für wen lohnt sich die Riester-Rente?

Finanzexperten und Verbraucherschützer sind in ihrem Urteil über die Riester- Rente deutlich positiver. „Wer private Altersvorsorge betreiben will, für den ist Riester die erste Wahl“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. Dabei sei Riester sowohl für gering als auch gut verdienende Arbeitnehmer attraktiv. „Es ist die am besten geförderte Altersvorsorge, und nirgendwo gibt es eine höhere garantierte Rente.“ Auch Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin sagt: „Riester ist kein Muss, aber es ist ein Plus.“ Sein Kollege Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg meint, „mit anderen Produkten – ohne Förderung vom Staat – ist das Ansparen gerade für Geringverdiener schwieriger“.

Für wen ist es nicht sinnvoll, Geld in die Riester-Rente einzuzahlen?

Wer im Alter den grundlegenden Bedarf für seinen Lebensunterhalt nicht selbst decken kann, hat Anspruch auf Grundsicherung. Diese Sozialleistung wurde 2003 eingeführt. Auf die Grundsicherung werden alle Einnahmen angerechnet wie etwa die staatliche und die betriebliche Rente, Zinsen, sonstige Einkünfte und eben auch die Riester-Rente. Ende 2006 bezogen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2,3 Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland Grundsicherung. Ihr Anteil ist – heute – also sehr klein. Im Durchschnitt aller Grundsicherungsempfänger hatten diese einen monatlichen Bruttobedarf von 614 Euro. Nach der Berücksichtigung des anrechenbaren Einkommens wurden im Schnitt 381 Euro monatlich ausgezahlt.

Die Deutsche Rentenversicherung verweist nun darauf, dass die Einkommen aus der gesetzlichen Rentenversicherung nur rund 65 Prozent des Bruttoeinkommens der über 65-Jährigen ausmachten, der Rest komme schon heute aus anderen Quellen. Im Bericht von „Monitor“ würde aber allein auf das Einkommen aus der gesetzlichen Rentenversicherung abgestellt. Die Darstellung sei daher verkürzt, sagt der Sprecher der Deutschen Rentenversicherung.

Wer heute 55 und auf sich allein gestellt ist, nicht viel verdient und nicht sparen will, für den lohne sich Riester nicht, sagen die Experten einhellig. Für jüngere Leute sieht es aber anders aus, weil ihre Einkommenssituation unsicher ist. „Für jeden, der nicht weiß, wie er mit 65 in Rente geht und mit wem zusammen, ist es fahrlässig, nichts zu tun“, sagt Tenhagen.

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