Zeitung Heute : BELGIENS MINIMALISTEN: Feuerwerk zündet nur kurz

PARIS (sid).Mit Minimalisten-Fußball haben Belgiens "Rote Teufel" das WM-Achtelfinale verspielt.Der WM-Vierte von 1986 kam in seinem letzten Vorrundenspiel nur zu einem enttäuschenden 1:1 (1:0) gegen den Außenseiter Südkorea und muß als Gruppendritter hinter Holland und Mexiko wie die Asiaten vorzeitig die Heimreise antreten.Südkorea, im Jahre 2002 zusammen mit Japan Veranstalter der WM-Endrunde, wartet bei nunmehr fünf Endrundenteilnahmen und 13 Spielen zwar weiter auf den ersten Sieg, verabschiedete sich aber mit einem Achtungserfolg von "France 98".

Vor 40 000 Zuschauern im Pariser Prinzenpark-Stadion hatte es für die Belgier perfekt begonnen.Luc Nilis vom PSV Eindhoven brachte die Elf von Trainer Georges Leekens in der siebten Minute in Führung.Und nach dem frühen Treffer sah es auch danach aus, als wollten die Belgier die Südkoreaner überrollen und am fünften Einzug in Folge in eine zweite WM-Runde keinen Zweifel aufkommen lassen.Aber das Feuerwerk zündete nur kurz, was folgte, war über weite Strecken schwacher Fußball, der selbst die belgischen Fans immer wieder zu Pfeifkonzerten trieb.Die passive Spielweise rächte sich bitter, als Yoo Sang-chul in der 71.Minute nach Flanke von Ha Seok-ju den Ball zum Ausgleich über die Linie drückte.

Zwar hatte Luc Nilis schon drei Minuten nach seinem Tor eine weitere Chance, aber die Belgier spielten doch viel zu druck- und ideenlos, um den WM-Debütanten weiter in Gefahr bringen zu können.Pech hatte Nilis allerdings in der 52.Minute, als sein Kopfball nach Flanke des Schalkers Marc Wilmots nur die Querlatte traf.Enzo Scifo vom RSC Anderlecht verstand es nicht, das Spiel seiner Mannschaft zu ordnen und Impulse für die Offensive zu geben.Der noch leicht angeschlagene Kapitän Franky van der Elst fehlte an allen Ecken und Enden, wurde aber in der 66.Minute doch noch für den schwachen Scifo eingewechselt.Auf den etatmäßigen Torwart Filip de Wilde hatte Trainer Leekens gänzlich verzichten müssen: "Ich kann den Einsatz von de Wilde nicht riskieren, weil ich ihn womöglich nach 20 Minuten schon wieder auswechseln muß."

Bei den Belgiern, die nach dem 0:0 gegen die Niederlande und dem 2:2 gegen Mexiko nahezu alle Wünsche offen ließen, konnten nur der Schalker Wilmots und Luc Nilis überzeugen.Bei den Südkoreanern, die das Remis in den letzten Minuten mit Mann und Maus verteidigten, konnten sich Torschütze Yoo Sang-chul sowie Hong Myung-bo gut in Szene setzen, ansonsten blieb die Mannschaft, bei der schon nach dem zweiten Treffen Ex-Bundesligaspieler Bum Kun Cha als Trainer entlassen worden war, aber farblos.Für den Neu-Schalker Nico van Kerckhoven ging mit der Begegnung gegen Südkorea "ein Traum in Erfüllung".Van Kerckhoven hatte sich wegen einer Verletzung kurz vor WM-Beginn bisher mit der Rolle des WM-Touristen begnügen müssen."Es ist meine erste WM, da will ich unbedingt spielen", sagte der Mann mit der Nummer elf, konnte sich aber auch nicht in Szene setzen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben