Zeitung Heute : Berlin Capitals: Zukunft im Konjunktiv

Claus Vetter

Play-off-Auftakt für die Capitals, in sportlicher und finanzieller Hinsicht: Morgen müssen die Berliner im Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bei den Mannheimer Adlern antreten, gestern wurde in den späten Abendstunden auf einer Gesellschafterversammlung über die Zukunft des Klubs gesprochen.

Hauptgesellschafter Egon Banghard wollte die anderen Gesellschafter über den Zustand des Klubs informieren. Ergebnisse geben die hochverschuldeten Berliner erst heute bekannt. Es geht um eine Zukunft im Zeichen des Konjunktivs. Banghard sagt, es gebe eine Zukunft für die Capitals, schließlich wolle der finnische Eishockey-Unternehmer Harry Harkimo eine Multifunktionshalle in Siemensstadt errichten, und das sei nur mit Untestützung der Capitals möglich. Das sind schöne Pläne, aber sie helfen den Spielern nur bedingt weiter. Die Februar-Gehälter sind immer noch nicht überwiesen. Martin Ulrich kann sich zwar daran erinnern, dass ihn ein Arbeitgeber einmal nicht pünktlich entlohnte. "Das war damals in Graz", sagt der Verteidiger, "aber da hat man mit uns geredet. Bei den Capitals hat wochenlang keiner mit uns gesprochen."

Die mangelhafte Kommunikation zwischen Spielern und Führungsetage sorgt vor dem Play-off-Start nicht gerade für unbeschwerte Stimmung. Zumal es nicht nur gegen den großen Favoriten Mannheim, sondern auch noch gegen alle Wahrscheinlichkeiten geht: Noch nie hat im DEL-Viertelfinale der Achte den Ersten ausgeschaltet. "Aber deshalb", sagt Trainer Karel Slanina, "können wir ja nur gewinnen." Das mag für den sportlichen Teil zutreffen. Abseits des Eises ist nach wie vor vieles unklar. Unruhe herrscht, seitdem bekannt ist, dass Verteidiger Mike Pellegrims den Klub trotz laufenden Vertrages zum Saisonende verlässt. Abwanderungsgelüste anderer Spieler sollen laut Prokurist Gerhard Brüderer "an den Haaren herbeigezogen" sein. Nachgefragt bei Ulrich, der seit zwei Jahren zu den Besten bei den Capitals gehört: "Ich habe noch einen Vertrag bis 2003, das ist richtig. Theoretisch spiele ich noch zwei Jahre für die Capitals. Theoretisch."

Ulrich macht kein Geheimnis daraus, dass die Spieler nach der Gesellschafterversammlung zwar auf klare Worte hoffen, diese aber nicht unbedingt erwarten. Und doch glauben sie, trotz aller Kommunikationsdefizite, immer noch an eine Wende zum Guten. "Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass der Laden hier dichtgemacht wird", sagt Ulrich. Schließlich beginnen bereits im April die Umbauarbeiten an der Deutschlandhalle. Und dort sollen in der kommenden Saison nicht nur Hobbyspieler die Pucks fliegen lassen.

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