Zeitung Heute : Berlin erhält Multimedia-Messe

KURT SAGATZ

Unterm Funkturm findet erstmals die Digital Media World statt / Großes FachprogrammVON KURT SAGATZ

Multimedia - das Wort des Jahres 1995 - ist für viele Zeitgenossen ein Buch mit sieben Siegeln.Selbst unter den Fachleuten wird weiterhin kontrovers diskutiert, was sich hinter dem schillernden Begriff genau verbirgt.So ist es kein Wunder, daß Multimedia für die einen die große Verheißung darstellt, für die anderen jedoch nichts weiter ist als ein neuer, gewaltiger Alptraum. Der Bedarf an Informationen über Multimedia ist immens.Beinahe wöchentlich finden in Deutschland Konferenzen und Kongresse zu Multimedia statt: Deutscher Internet Kongreß in Stuttgart, Deutscher Multimedia Kongreß in Leipzig, "Informationsgesellschaft - Medien - Demokratie" in Hamburg und so weiter.Trotz des großen Angebots an Informationsveranstaltungen rechnet sich die Messe Berlin mit ihrer Neuveranstaltung Digital Media World (18.bis 21.Juni) gute Chancen aus, erfolgreich eine neue europäische Messe zu positionieren. Die dmw, so die Kurzform der Veranstaltung, hat gute Karten.Im Gegensatz zu den medienwirksamen Konferenzen mit den großen Namen will die Berliner Messegesellschaft vor allem die Macher der neuen Multimedia-Angebote ansprechen.Eine Messe von Profis von Profis, so umschreibt Projektleiter Michael Degen die Konzeption der dmw gegenüber dem Tagesspiegel.Auf der ersten Investitionsgütermesse dieser Art in Europa sollen vor allem Produktionsprozesse gefördert werden.Anders als auf der CeBIT-Home, die in diesem Sommer in Hannover erstmals die Zielgruppe Endverbraucher anspricht, geht es somit nicht darum, fertige Produkte vorzustellen oder zu verkaufen.Zielgruppe sind vielmehr die Produzenten und Distributoren von neuen Multimedia-Angeboten.Wie produziere ich eine CD-ROM? Wie nutze ich diese Informationen zugleich dafür, ein Unternehmen im Internet darzustellen? Wie fülle ich 500 digitale Fernsehprogramme mit Inhalten? Das sind die Fragen, auf die die 10.000 bis 15.000 erwarteten Besucher der dmw Antworten erwarten. Zu den rund 150 ausstellenden Firmen gehören so bekannte Namen wie Apple, Sun, Adobe, Sony, Linotype-Hell, aber auch junge aufstrebende Unternehmen wie die Berliner Agentur Pixelpark oder der in Berlin ansässige Nachrichtensender n-tv.Der Forschungsmarkt Berlin präsentiert daneben Ergebnisse von Instituten und Einrichtungen der hiesigen Forschungslandschaft. Parallel zur dmw finden eine Reihe von Fachveranstaltungen statt, darunter der 6.Werbekongreß des Berliner Kommunikations-Forums, der Jahreskongreß der T-Online-Anbietervereinigung sowie der Deutsche Entwickler- und Produzentenkongreß für digitale Medien und Multimedia-Produktionen. Die Zeit der Multimedia-Visionäre ist vorbei, gefragt sind jetzt praktikable Lösungen, hatte Bertelsmann-Vorstand Mark Wössner unlängst in Leipzig propagiert.Genau darum geht es auch in Berlin.Zu den Schwerpunkten der dmw gehört beispielsweise der Umbruchprozeß in der Druckindustrie.Noch vor wenigen Jahren standen die Unternehmen dieser Branche vor der Frage, welches Rationalisierungspotential in neuen Pre-Press-Techniken, den sogenannten digitalen Druckvorstufen, steckt.Heute muß dieser Begriff viel weiter gesteckt werden.Nachgedacht wird über Pre-Media-Techniken, also darüber, wie die zu publizierenden Inhalte sowohl für Druckwerke als auch CD-ROM und für die Darstellung im Internet sowie den Online-Diensten vorbereitet werden können.Auf der dmw erhalten die Produzenten die dafür notwendigen Hilfsmittel, in der Computersprache "Tools" genannt.Weitere Schwerpunkte der dmw: Multimedia-Produktion sowohl on- als auch offline sowie die Digital-Fernsehproduktion. Die Berliner dmw soll jedoch mehr als nur Prozesse und Produkte vorführen.Die Messe wil gleichermaßen ein Kontaktforum sein.Hier sollen sich Leute aus den unterschiedlichsten Feldern des Multimedia-Marktes treffen, angefangen bei Verlagen, Bildagenturen und Marketingabteilungen über Grafik- und Fotostudios und Multimedia-Entwicklern bis zu den Betreibern von Online-Diensten.

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