Zeitung Heute : Berlin holt auf

Wenn die Binnennachfrage anspringt, wird die dienstleistungsstarke Hauptstadt besonders profitieren. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für dieses und das nächste Jahr jeweils 1,3 Prozent Wachstum

Die Berliner Wirtschaft wächst etwas stärker als noch im Juni erwartet. Damals waren die Prognosen von einem Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes um 1,1 Prozent für 2007 sowie einem Prozent für 2008 ausgegangen. Diese Schätzung kann leicht erhöht werden. Der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) entwickelte Tagesspiegel-Indikator geht von einem Wachstum von jeweils 1,3 Prozent für das laufende und das kommende Jahr aus. Und das, obwohl der Konsum aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung gesunken ist.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Berlin zeigt im Vergleich zur Gesamtwirtschaft einige Besonderheiten. So war die Dynamik deutlich schwächer als in anderen Bundesländern. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen ist die hiesige Industrie vergleichsweise klein. Sie konnte – anders als in Süddeutschland zum Beispiel – nicht am Export- und Investitionsboom teilnehmen. Dafür sind die Dienstleistungen mit fast drei Viertel der Wertschöpfung wesentlich wichtiger als im übrigen Bundesgebiet. Die Dienstleistungen aber werden vorwiegend von der Binnennachfrage getragen – und diese hat im aktuellen Aufschwung erst später angezogen, so dass das Wachstum ein gebremst wurde. Zum anderen ist die Berliner Wirtschaft in hohem Maße vom Staatssektor geprägt – und dessen Wachstum hält sich in engen Grenzen.

Wie sich die Berliner Konjunktur weiter entwickelt, hängt von den gesamtwirtschaftlichen Trends in Deutschland sowie berlinspezifische Faktoren ab. Nach der aktuellen Prognose steht der gegenwärtige Aufschwung auf einem festen Fundament: Der Tourismus und der Verkehr tragen maßgeblich zu der positiven Entwicklung bei. Auch unternehmensnahe Dienste und die Kreativwirtschaft werden weiter expandieren. Und auch die Industrie wächst, obwohl sie noch verhältnismäßig schwach ist.

Was die Bauwirtschaft betrifft, sind die Tendenzen nicht eindeutig. Die Zahl der Baufertigstellungen sind zwar zuletzt gesunken. Die Zahl der Baugenehmigungen deuten allerdings darauf hin, dass auch in diesem Bereich die Konjunktur künftig anziehen wird.

Der Autor ist stellvertretender Leiter der Konjunkturabteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben