Zeitung Heute : Berlin Hyp: "Wir legen alles offen"

Herr Noack[sind Sie der von Herrn Wieland nicht n]

Herr Noack, sind Sie der von Herrn Wieland nicht näher genannte Vorstand, dessen Frau begünstigt worden sein soll?

Nein, und wir wissen bis heute nicht, was er meint.

Aber es müssten doch zu viele Zufällen zusammen kommen, wenn die Indizien nicht dafür sprächen, dass Sie gemeint sind: Ihre Frau ist an einer Immobilie beteiligt, und den Kredit für deren Kauf hat Ihr Institut gegeben...

Es ist richtig, dass meine Frau Kommanditistin bei einer Objektgesellschaft ist. Sie hält einen Anteil von fünf Prozent.

Bei der Immobilie handelt es sich um die Alte Wallstraße 15. Der Bauträger Porsch soll das ganze Geschäft initiiert haben. Und er soll auch das damalige Vorstandsmitglied der Berliner Bank mit in das Projekt einbezogen haben.

Das Grundstück und das Gebäude wurden von der Treuhand etwa im Jahr 1992 erworben. Es gab auch andere Bewerber für die Liegenschaft. Porsch war zum damaligen Zeitpunkt bereits seit vielen Jahren Kunde sowohl der Berliner Bank als auch der Braunschweig-Hannoverschen Hypothekenbank. Ich war damals Vorstand der Hypothekenbank. Porsch war ein angesehener Kunde. Er hatte sehr viel Sozialen Wohnungsbau realisiert. Und er hat zusammen mit anderen dieses Projekt initiiert.

Handelte es sich um einen Geschlossenen Immobilienfonds?

Nein, es hat sich ein Kreis von Kommanditisten zusammengefunden, die das Objekt haben wollten. Wir haben bei der Immobilie dann eine Objektfinanzierung in der Rechtsform einer GmbH und Co KG gewählt. Das ist eine ganz und gar übliche Form der Gestaltung, bei der die Gesellschafter keine Haftung übernehmen müssen. Das war normal, weil wir ein erhebliches Eigenkapital in das Projekt eingebracht haben.

Was hat die Immobilie insgesamt gekostet, und wie hoch ist das Eigenkapital?

Die Investition liegt heute in der Größenordnung von 55 Millionen Mark. Von dieser Summe haben die Gesellschafter mehr als 22 Millionen Mark an Eigenkapital in die Objektgesellschaft eingebracht. Fast die Hälfte ist also privates Kapital.

Aber bei der Haftung bleiben Sie außen vor. Das heißt, Sie könnten nun die Vermietungsprobleme ruhig aussitzen, wenn das ganze nicht Ihr eigenes Geldhaus beträfe. Ist ein solcher Haftungsausschluss üblich?

Ja, es ist eine ganz normale Finanzierung wie bei jeder anderen Bank. Dass die Braunschweig-Hannoversche Hypothekenbank das Projekt finanzierte, lag daran, dass alle Beteiligten davon ausgingen, das es sich um ein lohnendes Geschäft handelt. Zudem hatte der Kredit Anfangs nicht das Volumen, das er schließlich bekam. Die größere Dimension entstand erst später dadurch, dass ein Neubau auf dem Grundstück erforderlich wurde, der der Investitionsverpflichtung gegenüber der Treuhand entsprach.

Aber in dem Vorstand, der über die Kreditvergabe entschied, saßen Sie doch auch...

Ja, ich war Vorstandsmitglied. Aber das Geschäft ist nicht von mir allein, sondern vom gesamten Vorstand geprüft und bestätigt worden. Auch der dafür zuständige Kreditausschuss hat der Finanzierung zugestimmt.

Es war auch bekannt, dass Ihre Gattin ebenso wie Herr Steinriede Kommanditisten der Objektgesellschaft waren?

Sicher, es ist selbstverständlich, dass die Bank ihre Kreditnehmer, in dem Fall ist es ja eine GmbH & Co KG, untersucht. Diese Tatsachen sind allen Gremien bekannt gewesen, und es hat niemals jemand Anstoß daran genommen.

Waren die Zinsen günstiger als anderswo?

Nein, es ist eine ganz normale Finanzierung gewesen, die bei jeder anderen Bank auch möglich gewesen wäre. Es lag ein weiteres Finanzierungsangebot vor. Es gab aus damaliger Sicht keinen Grund, das Objekt anderweitig zu finanzieren. Die Entscheidungsträger waren informiert. Die Gesellschafter stellten weiteres Eigenkapital zur Verfügung. Als später die Mieten nicht zur Deckung der Zinskosten reichten, wurde noch zusätzliches Eigenkapital in die Gesellschaft eingebracht, um den Kapitaldienst der Bank gegenüber aufrecht zu erhalten. Wir haben die Unterdeckung bis zu einer weiteren Verhandlungspase ausgeglichen.

Wusste Klaus Landowsky von der ganze Angelegenheit?

Herr Landowsky erfuhr davon nach der Fusion der Berliner Hypotheken- und Pfandbriefbank und der Braunschweig-Hannoverschen Hypothekenbank zur neuen Berlin Hyp.

Wie geht es jetzt weiter? Man hört, die Gesellschafter wollen nicht mehr aufkommen für die Zinsen, und die Mieten reichen nicht aus, um diese Kosten zu decken?

Das ist im Moment eine offene Frage. Ich würde weiter die Belastung für meinen Anteil tragen und Herr Steinriede im übrigen auch. Für mich ist das eine tragbare Größe. Ich habe nur 5 Prozent des Volumens abzudecken. Doch nicht ich, sondern die Mehrheit der Gesellschafter entscheidet ihren Möglichkeiten entsprechend über das weitere Vorgehen. Dies wird in nächster Zeit geschehen.

Wenn ich das richtig sehe, befürchtet Herr Wieland von Bündnis 90 / Die Grünen aber, dass die Schräglage dieses Engagements auf Kosten der Berlin Hyp ausgetragen wird. Oder wie erklären Sie sich, dass Ihre Frau begünstigt sein soll?

Wir wissen bis heute nicht, was er meint. Sofern er überhaupt diesen Fall meint, dann begrüße ich die Einschaltung des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen. Das soll alles prüfen. Wir begrüßen das ausdrücklich. Von einer Begünstigung von Kommanditisten kann keine Rede sein. Die Bank hat bis heute keine Einbußen gehabt, vielmehr haben die Gesellschafter kontinuierlich weiteres Kapital eingebracht. Die Sache ist sauber. Wenn Herr Wieland diesen Fall tatsächlich meint, wird er seinerseits die Verantwortung für seine Anschuldigungen vertreten müssen.

Was sagt denn Klaus Landowsky über die Vergabe von Krediten durch Institute der Bankgesellschaft an leitende Angestellte aus den eigenen Häusern?

Warum sollen wir Finanzierungen unserer Mitarbeiter anderen Instituten überlassen, wenn wir die Bonität beurteilen können. Das gesamte Engagement ist von Wirtschaftsprüfern durchgesehen worden, und es gab keine Beanstandungen.

Wie könnte ein Sanierungskonzept für die notleidende Immobilie aussehen?

Eine vernünftige Lösung müsste gefunden werden, doch das hängt alles von den Entschlüssen der Gesellschafter ab. Der Standort ist gut. Der Berliner Markt entwickelt sich bereits positiv, und dies wird auch diesen Standort erreichen, so dass nach unserer Einschätzung das Engagement aufgehen wird.

Was kostet eigentlich der Kredit, der auf dem Gebäude liegt?

Wir haben einen extrem hohen Zinssatz von über 8 Prozent, der den derzeitigen Marktverhältnissen nicht entspricht. Die Konditionen liegen derzeit eher bei sechs Prozent.

Die Objektgesellschaft, an der Ihre Frau beteiligt ist, ist nicht der einzige notleidende Kunde Ihres eigenen Instituts. Welche Maßnahmen ergreifen Sie denn bei anderen Kreditnehmern, wenn die in Schräglagen geraten?

Wenn man Sanierungen mit anderen Kunden bespricht, dann steht die Bank immer vor der Frage, was die bessere Lösung ist. Eine Zwangsverwertung oder eine Risikominimierung durch andere Maßnahmen. Eine Zwangsverwertung ist nicht immer die beste Lösung, weil dabei auch Kosten entstehen und Wertzerschlagungen stattfinden. Wir haben deshalb über Auffangstrategien nachzudenken.

Dabei wird oft über die Stundung von Zinsen geredet. Wäre dies auch bei der Objektgesellschaft Ihrer Frau eine Lösung?

Nein, denn hier wird man keine Zinsen stunden müssen. Es sind hinreichend Mieten da, so dass wir einen nicht unbedeutenden Teil des Kapitaldienstes mit diesen Einnahmen leisten können, das sind rund zwei Drittel.

Also sollte man die Differenz zwischen den Mieteinnahmen und den Zinskosten stunden?

Über diese Objektgesellschaft entscheiden andere. Ich kann nur über das allgemein übliche Verfahren reden. Da kommt es vor, dass man Zinsen stundet und die Immobilie später verwertet, also verkauft. Aus dem Verwertungserlös erhält das Kredithaus dann die gestundeten Zinsen zurück. Eine Bank hat nichts zu verschenken und versucht, ihre Kredite immer wieder zurück zu bekommen. Aber ich wiederhole, diesen Fall werden Kollegen verhandeln und ihre Empfehlungen werden sie dann mit dem Aufsichtsrat besprechen. Und dabei wird es eine klare Linie geben: Diese Objektgesellschaft wird behandelt wie jeder andere Fall auch. Es gibt keine Sonderregelung.

Das heißt, Sie werden sich völlig aus der Entscheidungsfindung heraushalten.

Den Fall haben die Gremien zu entcheiden.

Sind Sie an anderen Immobilien-Fonds oder Objektgesellschaften beteiligt?

Meine einzige weitere Beteiligung ist an einem Geschlossenen IBG-Immobilienfonds.

Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen ist informiert über den ganzen Fall. Haben Sie von der Seite nicht noch einiges zu befürchten?

Im Gegenteil, ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen und wünsche deshalb selbst eine Überprüfung der ganzen Angelegenheit in jeder Richtung. Das wird im Interesse der Bank und in meinem unverzüglich geschehen.

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