Zeitung Heute : Berlin, London

Ein Essayband vergleicht Kunst-Metropolen

Kristina Noni

London und Berlin – zwei der spannendsten Kunstmetropolen für Gegenwartskunst weltweit, jedoch mit unterschiedlichen Gesichtern: In Berlin leben die Künstler, in London werden sie ausgestellt. So zumindest lautete die Ausgangsthese eines Seminars bei Charlotte Klonk, die mit ihrem Kurs die Kunstausstellungen beider Metropolen vergleichen wollte. Am Kunstgeschichtlichen Seminar der Humboldt-Universität gingen in einem Kurs vierzehn Studenten den Fragen nach, wie sich der gegenwärtige Erfolg der Londoner Kunstmuseen erklären lässt – und der Ruf Berlins, die kreative Werkstatt Europas zu sein.

Entstanden aus diesem Seminar ist der mit Interviews aufgelockerte Essayband „Metropolitan Views“, der jetzt erschienen ist. Er wendet sich an kunstinteressierte Leser und verschafft Neulingen Einblicke in die beiden Kunstmetropolen, bietet aber auch Insidern Neues. Die Autoren vergleichen unabhängige Kunstlaboratorien, staatliche Museen sowie alternative Ausstellungsräume, aber auch private Sammlungen und die Messen beider Städte. Dabei zeichnen sie Momentaufnahmen von Kunstszenen und Lebewelten und legen deren historische Wurzeln und Vernetzungen frei. Abgeschlossen wird der Band mit einem Verzeichnis wichtiger Adressen in Berlin und London, das geradezu dazu auffordert, die erwähnten Orte selber zu inspizieren.

Das Team recherchierte vor Ort, die Studierenden fuhren unter anderem auf eine einwöchige Exkursion in die britische Metropole. Sie besuchten unabhängige Projekträume, wie die Berliner Produzentengalerien und die so genannten alternative spaces im Londoner East End, genauso wie die einschlägigen Museen. „Wir haben Gespräche mit führenden Köpfen beider Kunstszenen organisiert, mit Mathew Slotover, dem Mitbegründer der Londoner Kunstmesse Frieze Art Fair, oder mit Susanne Pfeffer, der neuen Kuratorin der Berliner Kunst-Werke", sagt Mitherausgeberin Friederike Schäfer. Kristina Noni

Metropolitan Views. Kunstszenen in Berlin und London. Hrsg. von Conny Becker, Charlotte Klonk, Friederike Schäfer und Franziska Solte, 224 Seiten mit 49 schwarzweißen Abbildungen, ISBN: 978-3-422-06822-3, 14,90 Euro

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