Zeitung Heute : Berlin schickt trotz Entführung weiter Helfer nach Afghanistan

Berlin - Die Bundesregierung will auch nach der Entführung zweier Deutscher in Afghanistan weiter Entwicklungsexperten in das Land schicken. „Die Sicherheitslage ist kritisch – wie die wiederholten Entführungen von Ausländern zeigen –, aber insgesamt nicht so verheerend, dass wir unsere Arbeit nicht mehr leisten können“, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) dem Tagesspiegel. Die deutschen Entwicklungsprojekte seien unverzichtbar für die Befriedung Afghanistans: „Nur wenn wir den Wiederaufbau in die Fläche tragen, spüren auch größere Teile der Bevölkerung, dass es vorangeht.“

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, bestätigte am Donnerstag, dass in der Provinz Wardak 100 Kilometer südwestlich von Kabul seit Mittwoch zwei Deutsche vermisst würden. „Nach den uns vorliegenden Hinweisen müssen wir von einer Entführung ausgehen“, sagte er. Beide seien Mitarbeiter einer in Kabul ansässigen Firma. Nähere Einzelheiten nannte der Sprecher nicht. Er warnte jedoch eindringlich davor, sich auf ungesicherte Informationen aus der afghanischen Provinz zu verlassen.

Zuvor hatte ein Gouverneur einer an Wardak angrenzenden Provinz erklärt, die Deutschen und mehrere afghanischen Kollegen befänden sich in der Gewalt der Taliban. Ein Talibansprecher bestätigte diese Darstellung auf Nachfrage einer Nachrichtenagentur aber nicht. Auch in Berliner Regierungskreisen hieß es, es gebe bislang keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung der Taliban. Die neuerliche Entführung dürfe nicht als Beweis für eine dramatische Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan gewertet werden. Ende Juni war im Südwesten des Landes ein Deutscher entführt und nach einer Woche wieder freigelassen worden. hmt

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