Zeitung Heute : "Berlinale-Channel" über die Satellitenschüssel

KURT SAGATZ

Wer den "rosa Riesen" Telekom als bedächtig agierenden Konzern kennt, wurde in diesen Tagen des öfteren eines Besseren belehrt.Die Tarife purzelten zum Teil derart dramatisch, daß manchem Konkurrenten schwindlig werden konnte.Durchaus zügig verliefen auch die Vorbereitungen für den "Berlinale Channel", ein Projekt zur Distribution von Multimedia-Inhalten über ein Satellitennetz, das die Telekom zusammen mit den Partnern Astra-Net, mediacube Berlin und der Softwarefirma Fantastic betreibt.In nur drei Monaten wurde aus der Idee eine Anwendung, die während der Berliner Filmfestspiele vom 10.bis zum 21.Februar erstmals auch von der interessierten Öffentlichkeit getestet werden kann.

Die dahinterstehende Idee ist schnell erklärt: Vor dem Hintergrund von 3000 Journalisten und 10 000 anderen Medienvertretern, die sich 1998 für die rund 700 Wettbewerbsfilme aus 90 Ländern interessierten, hat sich herausgestellt, daß die Bereitstellung von Informationen zu den Filmfestspielen über das Internet nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat.Filme stellen schließlich Multimedia-Inhalte erster Güte dar, und die lassen sich bekanntlich nur unter großen Mühen und mit viel Geduld der Nutzer über das Netz transportieren.Wo herkömmliche ISDN-Anschlüsse mit maximal 128 Kilobit pro Sekunde Übertragungsgeschwindigkeit auskommen müssen, erfolgt der Transport via Satellit rund fünfzig Mal schneller, nämlich mit sechs Megabit je Sekunde.

Technologisch interessant am "Berlinale Channel" ist zudem, daß zum Empfang der Infopakete ein herkömmlicher Multimedia-PC ausreicht, der um eine rund 500 DM teure Satellitenempfangskarte (digital) aufgerüstet wird.Daneben wird nur noch eine normale Satellitenempfangsanlage (Astra) benötigt.

Jeder kann die Berlinale-Infos allerdings nicht empfangen: Die Daten werden verschlüsselt übertragen, eine entsprechende Berechtigung wird benötigt.Damit eignet sich das System vorzüglich für die Bereitstellung großer Datenmengen für geschlossene Benutzergruppen.Für die spätere Vermarktung der Technologie ebenfalls sehr nützlich ist, daß die Daten in 256 Unterkanäle aufgeteilt werden können.In einem Channel lassen sich somit die Angebote verschiedenster Interessenten bündeln, was Ressourcen schont und die Kosten niedrig hält.

Während der Berlinale geht es der Telekom und ihren Partner darum, die Möglichkeiten der neuen Technik zu erproben.Dazu werden einige Systeme auch dem interessierten Publikum zugänglich gemacht.Zwei Systeme werden im Cine Center stehen, zwei weitere im Hotel Interconti, eins in der Telekom-Niederlassung III und ein weiteres im Kino Delphi.

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