Zeitung Heute : Berlinale: "Ich komme als Filmstudentin hierher"

Sie sind Präsidentin der Internationalen Jury

Mira Nair, Präsidentin der Berlinale-Jury, wurde 1988 mit "Salaam Bombay" bekannt. Für "Monsoon Wedding" gewann sie 2001 den Goldenen Löwen in Venedig. Der Film läuft am 12. Februar, 20 Uhr im CinemaxX 4.

Sie sind Präsidentin der Internationalen Jury der Berlinale 2002. Sehen Sie sich als Botschafterin für Ihr eigenes Land?

Nie im Leben. Ich sehe mich als Filmstudentin. Zwei Wochen lang werde ich mich in Berlin von Filmen ernähren, und nur mit Leuten sprechen, die auch vom Film leben. Darauf freue ich mich schon sehr. Ich komme bestimmt nicht als Richterin, um über die Lage des Films in Europa zu urteilen.

Welche Filme schmecken Ihnen am besten?

Solche, die uns alle berühren, in irgendeiner Form. Da gibt es viele Möglichkeiten.

Hat das europäische Kino Sie in den letzten Jahren berührt? Ich könnte mir vorstellen, dass die Dogma-Filme für Sie interessant waren, Ihre Filme ähneln ihnen ein bisschen.

Natürlich. "Breaking the Waves" war für mich einer der wichtigsten Filme der letzten Jahre. Der letzte deutsche Film, an den ich mich erinnere, ist schon etwas länger her, das war "Lola rennt".

Was verbinden Sie mit Berlin? Was bedeutet diese Stadt und ihre Geschichte für Sie?

Ich war noch nie in Berlin und freue mich sehr auf die Stadt. Dieter Kosslick ist ein wundervoller Gastgeber, und er wird schon dafür sorgen, dass ich auch Zeit habe, mir Berlin anzusehen. Deshalb bleibe ich auch ganze zwei Wochen in der Stadt.

Hat das europäische Kino Sie bei Ihren Filmen in irgendeiner Weise beeinflusst?

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Fotografie als Kunsttradition beeinflusst mich sehr bei der Art, wie ich mit Bildern arbeite. Bevor ich anfange zu drehen, sehe ich mir immer die Bücher des Fotografen Werner Bischof an. Von den europäischen Filmen kenne ich vor allem die Klassiker: Fellini, Godard ... Ach, es gibt so viele, dass mir auf Anhieb keiner richtig einfällt.

Sie wissen, dass die Berlinale in diesem Jahr ihre Retrospektive dem 60er Jahre Kino widmet. Hätten Sie einen indischen Regisseur, den Sie dort gern gesehen hätten?

Aber natürlich, ich hätte ihn gleich erwähnen sollen, als Sie nach Einflüssen fragten: Guru Datt. Er ist ein wunderbarer Filmregisseur, der inmitten eines kommerziellen Mainstream unabhängig gearbeitet hat, in den 60er und 70er Jahren. Und dann, auf der Höhe seines Könnens, hat er sich mit 39 Jahren das Leben genommen. Er müsste viel bekannter sein in Europa. Was Orson Welles für Amerika war, ist er für Indien.

Ihr Film "Monsoon Wedding" ist im letzten Jahr in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden und läuft auf der Berlinale in einer Sondervorstellung. Gibt es eine Figur im Film, der Sie sich besonders nahe fühlen? Vielleicht die selbständige Ria, die sich ihren Weg erkämpft?

Nein, die ist der Liebling der Drehbuch-Autorin. Wenn ich wählen könnte, fühle ich mich der Mutter der Familie am nächsten. Ich bin definitiv ein Familienmensch.

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