Zeitung Heute : Berlinale mit Helm und Blaumann

MATTHIAS OLOEW

Noch witzelt Moritz de Hadeln.Es werde wohl eine "Baustellen-Berlinale" geben, sagt der Festivalchef mit Blick auf die Jubiläums-Filmfestspiele im Jahr 2000.Dann nämlich will er mit besonders viel Glamour die 50.Berlinale feiern.Doch die Baustellen am Potsdamer Platz könnten ihm seine Pläne durchkreuzen.Denn am neuen Festspiel-Standort zwischen den Bürotürmen von Debis und Sony, muß im Februar 2000 noch gearbeitet werden.Das gilt vor allem für das Sony-Areal.Eröffnungstermin für das komplette Center ist der Sommer 2000, die Berlinale-Kinos sollen jedoch vorher schon in Betrieb gehen."Alles wird rechtzeitig fertig", versichert Andrew Woodmansey, Manager der Sony-Entertainment-GmbH und Hausherr über die Kinos, das Imax und die sogenannte Music-Box.Alle drei Bereiche sollen im Februar 2000 eröffnet werden, einige Monate, bevor der große Rest der Sony-Gebäude in Betrieb geht.Noch ist viel Phantasie nötig, um sich die Wände aus nacktem Beton als Festspielort vorzustellen.Kino, Imax und Music-Box sollen über ein zentrales Foyer erreichbar sein.Neben den acht Sälen im Multiplex mit insgesamt 2200 Sesseln ist auch das Imax mit 550 Sitzplätzen für die Filmfestspiele gebucht.Dafür ist ein eigener Projektor nötig.Die Kinosäle befinden sich unter dem ovalen Platz, der derzeit noch eine offene Baugrube ist.

Ob die beiden Kinos im Filmhaus, das außerdem in das Sony-Center integriert werden soll, rechtzeitig fertig werden, ist hingegen noch nicht klar.Diese beiden Säle sind für die Forum-Sektion des Festivals vorgesehen und sollen das "Arsenal" in der Welserstraße ersetzen.Das Traditions-Kino wird voraussichtlich geschlossen.

Für die festlichen Premieren, die zu den großen Auftritten von Moritz de Hadeln gehören, ist ein Baustellen-Flair allerdings so gut wie ausgeschlossen.Das Stella-Musical-Theater am Marlene-Dietrich-Platz hat bereits seine Bewährungsprobe als Kinosaal bestanden.Kürzlic spannte Cinemaxx-Chef Hans-Joachim Flebbe auf der Bühne eine Leinwand auf und nutzte das Theater als größten Kinosaal Deutschlands.Im Gegensatz zum Zoo-Palast, der langjährigen weihevollen Premierenstätte, passen hier rund 600 Leute mehr hinein.Technisch und akustisch kann das Theater allemal mit dem Zoo-Palast mithalten.Die notwendigen Projektionsmaschinen sind bereits installiert, und auch für den guten Ton ist gesorgt.

Das gleiche gilt für die 19 Kinosäle im Cinemaxx zwei Straßen weiter.Neun kleine Studios, mit jeweils 45 bis 55 Sitzen, sind für die Vorführungen der Filmmesse geplant, die fürs Fachpublikum veranstaltet werden.Die Einsatzpläne für die restlichen zehn Säle sind indes noch nicht geschrieben.Die Kinos im Haus sind mit wesentlich mehr Technik ausgestattet als für ein Multiplexkino nötig.Obwohl nur eine Vorführmaschine gebraucht wird, stehen in allen Sälen zwei, manchmal sogar drei Maschinen.Weil die Filme während der Berlinale im engen Programmwechsel gezeigt werden, deshalb keine Zeit bleibt, die Rollen aneinanderzukleben, wird zwischen den einzelnen Akten der Filme hin- und hergeblendet.Die zusätzlichen Projektoren kosten Geld.Zwei Millionen Mark hat Hausherr Flebbe für die zur Berlinale benötigte Technik in das 3500-Sitze-Mulitplextheater gesteckt.Die Festspiele werden es zurückzahlen und haben sich lange eingemietet.Für 20 Jahre haben die Festivalleiter Moritz de Hadeln und Ulrich Gregor unterschrieben.Ähnliche Konditionen gelten auch für das Sony-Center gegenüber.

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