Zeitung Heute : Berliner Dom verschlingt allein 1,4 Millionen Steine

Rieke C. Harmsen

Bald werden die Menschen gleich zwei Mal zur Wallfahrtskirche Maria Vesperbild pilgern können. Entweder wandern sie zum Original der barocken Zwiebelturmkirche nach Ziemetshausen bei Augsburg. Oder sie fahren zur fast originalgetreuen Kopie in das neue Legoland Deutschland, das im Mai in Günzburg eröffnet. Für viele Menschen aus der Umgebung ist die Wallfahrtskirche aus den Plastikbausteinen etwas Besonderes, denn sie ist das einzige Gebäude in Legoland, das sie selbst ausgewählt haben.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen Lego eine Umfrage in der Region gestartet, die das markanteste Bauwerk für Schwaben ermitteln sollte. Mehrere hundert Einsendungen gingen ein. Vorgeschlagen wurden vor allem Kirchenbauten: Das Kloster in Ottobeuren, das Ulmer Münster, die Günzburger Frauenkirche. "Wir haben uns dann für Maria Vesperbild entschieden, weil besonders viele Kinder Zeichnungen mit der Wallfahrtskirche zugeschickt haben", sagt Lego-Sprecherin Marion Moormann.

Für den Bau der Lego-Miniaturen ist Designer und Modellbauer Ilja Schüler zuständig. Bis zur Eröffnung wird er mit seinen drei Kollegen über 50 Millionen Lego-Steine verbraucht haben. Allein für den Berliner Dom im Maßstab 1 : 20 hat er 1,4 Millionen Bausteine verarbeitet. Mehr als 1800 Stunden brauchten die Modellbauer für die Fertigstellung des Doms. Im Vergleich zu Hochhäusern, Landschaften oder kleinen Figuren lassen sich Kirchen am schwersten bauen, meint Modellbauer Schüler.

"Kirchen haben viel mehr architektonische Besonderheiten und Feinheiten als Wohn- oder Hochhäuser", sagt Schüler. Es gehöre viel Kreativität und Vorstellungsvermögen dazu, diese Details möglichst wirklichkeitsgetreu abzubilden, da ausschließlich mit handelsüblichen Steinen gearbeitet werde. "Bei den Statuen an den Kirchen stoßen wir da schon mal an die Grenzen", meint Schüler. "Aber grundsätzlich ist nichts unmöglich. Selbst kleine Tauben auf dem Kirchendach können wir bauen", so Schüler.

Wie die Wallfahrtskirche Maria Vesperbild gehört der Berliner Dom zum so genannten "Miniland"-Areal, Mittelpunkt des über zwölf Hektar großen Legoland-Grundstücks. In "Miniland" stehen auch der Berliner Reichstag und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ebenso wie das Frankfurter Nicolaiviertel, das Münchner Flughafengelände, die Grachten von Amsterdam oder die Markuskirche von Venedig.

"Wir möchten in Miniland den aktuellen Zustand der Gebäude darstellen", erklärt Schüler. Aus diesem Grunde verwenden die Modellbauer für ihre Baupläne auch keine alten Gemälde oder Pläne, sondern aktuelle Farbfotos. "Dann bauen wir genau wie Kinder erst einen Sockel", erklärt Schüler, "auf dem dann Stein um Stein folgt."

Alle Modelle werden im dänischen Billund gebaut. Kurz vor dem Lkw-Transport nach Günzburg bekommen die Modelle dann noch eine Schutzschicht, die sie gegen Regen und Schnee schützen soll. Im Eröffnungsjahr rechnet das Unternehmen mit 1,2 Millionen Besuchern. Und für 2003 werden bereits 1,5 Millionen Kinder und Erwachsene im neuen Legoland erwartet.

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