Berliner Einzelhandel : Ein Lächeln für das Geschäft

Nils Busch-Petersen vertritt die Interessen des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg – mit großem Optimismus

von

Nils Busch-Petersen kennt viele Sprichwörter über Kaufleute. „Die Klage ist der Gruß des Händlers“, lautet ein persisches. Doch der 45-Jährige bevorzugt ein chinesisches: „Wenn du nicht lächeln kannst, sollst du kein Geschäft eröffnen.“ Zweckoptimismus liege ihm fern, sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, aber „als weinender Lobbyist erreicht man wenig“. Noch gebe es auch kaum Grund zur Klage: „Das Verbraucherverhalten ist konstant.“

Nur beim „puren Luxus“ werde die Luft in Krisenzeiten dünner, Discountartikel hingegen verkauften sich besser. „Unser Vorteil ist, dass man Lebensmittel, Kleidung und Möbel immer braucht.“ In einigen Möbelhäusern steige der Umsatz sogar. Es gebe die „Tendenz, sich einzuspinnen und die eigene Wohnung schön zu gestalten“.

Wenig bekannt ist, dass Busch-Petersen als Sohn eines Kinderarztes in Rostock und Berlin aufwuchs und fünf Jahre lang der SED angehörte. Bis 1988 studierte er Jura mit dem Schwerpunkt Völkerrecht an der Humboldt-Uni und war dann am Institut für Internationale Beziehungen in Potsdam-Babelsberg tätig. Das Ende der DDR bedauerte er, heute sieht er dies anders. In der Wendezeit „glaubte ich, man könne das System demokratischer gestalten“. Die DDR-Realität hatte ihn aber oft ernüchtert. Den Tiefpunkt erlebte er, als sein Vater in Ungnade fiel und er spürte, dass dies für die ganze Familie Folgen hatte. Aber: „Es gab überall Leute, die sich fair verhielten.“

1989 wurde er für die FDJ in die neue BVV Pankow gewählt, im Auftrag des Runden Tisches war er 1990 sogar 108 Tage lang Bürgermeister. Damals bahnte sich sein heutiger Job an, als ein Händler um Hilfe bei der Gründung eines Ost-Berliner Interessenverbands bat. Einer Partei will Busch-Petersen nicht mehr beitreten: „Das ist schwer vereinbar mit einer wirksamen Interessenvertretung.“

Obwohl er selbst nie Einzelhändler war, lobt er den Beruf: Die Zugangsvoraussetzungen seien niedrig, außerdem hätten Händler die Chance, sich „kreativ zu beweisen“. Die Geschichte der großen Warenhäuser, der Supermarktketten und anderer Filialbetriebe zeige, dass „alles klein begonnen hat und jeder die Möglichkeit hat, groß zu werden“. Das gelte auch für die rund 4500 Azubis in Berlin.

Der Branchenhistorie, vor allem den Kaufhausgründern, hat sich Busch-Petersen buchstäblich verschrieben. Er hält Vorträge und verfasste Bücher über KaDeWe-Gründer Adolf Jandorf sowie Oscar Tietz, die treibende Kraft im Warenhauskonzern „Hermann Tietz“ (Hertie). Das Buch über Tietz komme jetzt auch auf Polnisch heraus, freut sich der Autor. Denn aus der Kleinstadt Birnbaum an der Warthe im heutigen Polen stammte die jüdische Familie der Warenhauspioniere. Busch-Petersen pflegt enge Kontakte nach Miedzychód, wie der Ort nun heißt. Zum Beispiel möchte er dort ein Sommercamp für deutsche, polnische und israelische Jugendliche veranstalten, um den „europäischen Geist“ zu fördern. Auch mit amerikanischen Nachfahren von Oscar Tietz hat er Miedzychód besucht und erlebt, dass sie „wie Staatsgäste empfangen“ wurden.

Busch-Petersen erinnert daran, dass bis zur Nazizeit „75 Prozent aller Warenhausgründer und ein Viertel der Ladenbesitzer Juden waren“. Gedenkveranstaltungen finden oft in Synagogen und auf jüdischen Friedhöfen statt. Darauf ist der Verbandsfunktionär stets vorbereitet: „Ich habe immer eine Kippa im Mantel.“

Der Handelsverband im Internet: www.hbb-ev.de

Das Verbraucherverhalten ist konstant. Unser Vorteil ist,
dass man Lebensmittel, Kleidung und Möbel immer braucht.“
Nils Busch-Petersen,
Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben