Zeitung Heute : Berliner Gericht hebt einstweilige Verfügung gegen Schibsted auf - DuMont Schauberg startet kostenloses Blatt

Reinhart Bünger

Im Kölner Zeitungskampf ist am Freitag ein Punkt an den norwegischen Medienkonzern Schibsted gegangen. Das Kammergericht Berlin hob eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin auf, wonach die von Schibsted herausgegebene Gratis-Zeitung "20 Minuten Köln" nicht mehr in der Domstadt verteilt werden durfte. Das teilte der Springer-Verlag, der gegen die Verteilung des kostenlosen Blattes vor Gericht gezogen war, mit.

Als Reaktion auf das Urteil wird der Verlag M. DuMont Schauberg am Montag mit der Gratiszeitung "Kölner Morgen" auf den Markt kommen. Parallel zum Erscheinen will der Verlag nach eigenen Angaben Berufung gegen die Entscheidung einlegen. Nach wie vor sei der Verlag der Meinung, dass die Gratiszeitungen international operierender Medienkonzerne einen Vertriebsweg eröffneten, der wettbewerbsverzerrend wirke und damit die gewachsene deutsche Presselandschaft gefährde, wurde am Freitag in Köln erklärt.

Der Hamburger Verlag betonte, er halte trotz der richterlichen Entscheidung an der Auffassung fest, dass das unentgeltliche Verteilen einer vollwertigen Tageszeitung wettbewerbswidrig ist. Er strebe jetzt eine schnelle höchstrichterliche Entscheidung an, die Klage in der Hauptsache sei bereits eingereicht. Sollte Schibsted "20 Minuten Köln" weiter kostenlos abgeben, werde Springer erneut das Gratis-Blatt "Köln Extra" verteilen.

Der norwegische Verlag kündigte unterdessen an, die kostenlose Zeitung werde es ab Montag wieder in Köln geben. "20 Minuten Köln"-Chefredakteur Klaus Kelle begrüßte die Entscheidung der Berliner Richter und betonte, Wettbewerbsrecht diene nicht dazu, "Wettbewerb zu verhindern". Nachdem dies in der vergangenen Woche schon der Kölner Verlag DuMont Schauberg habe erfahren müssen, habe das nun auch Springer "schwarz auf weiß", so Kelle. DuMont hatte ebenfalls gegen die Gratis-Zeitung geklagt.

Schibsted hatte das Blatt am 13. Dezember auf den Markt gebracht und an U- und Straßenbahnhaltestellen in Köln verteilt.

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