Zeitung Heute : Berliner Koalition: Der Indianersenat

Ulrich Zawatka-Gerlach

Überall hört man: Berlin wird rot-rot regiert! Wie, von Indianern? Das wäre spannend. Aber die Chefs der beiden Parteien, die jetzt bestimmen, sind Bleichgesichter. Die eine heißt SPD, die andere PDS. Man muss aufpassen, nicht mit den Buchstaben durcheinanderzukommen. Die SPD ist uralt. Vor etwa 100 Jahren kümmerte sie sich um die Arbeiter, die wenig zu essen und kalte, feuchte Wohnungen hatten. Wenn es den SPD-Arbeitern schlecht ging, demonstrierten sie auf der Straße und schwenkten rote Fahnen. Inzwischen gibt es in Berlin nicht mehr viele Arbeiter, die Hunger haben und rote Fahnen tragen. Deshalb kümmert sich die SPD auch um andere Leute, nennt sich aber immer noch gern eine "rote Partei". Und die PDS? Die hieß früher SED und war Schuld daran, dass die Menschen in Ost-Berlin und in der DDR eingemauert waren wie im Zoo. Vor etwa zwölf Jahren wurde es den Menschen zu dumm. Sie wollten die Mauer nicht mehr. Sie wollten nach Mallorca fahren und viele hatten Angst vor den Leuten von der SED, von denen manche ziemlich brutal waren. Endlich wurde die Mauer abgerissen. Der SED war es jetzt peinlich, was sie angestellt hatte. Sie taufte sich deshalb um in PDS. Die PDS-Leute versprachen, nicht mehr so böse zu sein. Mal schauen, ob das klappt. Die PDS ist auch eine "rote Partei", weil sie vorher SED hieß und davor KPD. Das waren die Kommunisten. Die gingen vor langer Zeit auch mit roten Fahnen auf die Straße, sozusagen als Konkurrenz der SPD. Heute vertragen sich beide Parteien wieder einigermaßen. Wir sind gespannt, wie lange.

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