Zeitung Heute : Berliner Schulen schlechter ausgestattet

Der Tagesspiegel

Berlins Schulen sind wesentlich knapper mit Lehrern ausgestattet, als von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) behauptet. Die GEW legte gestern neue Zahlen vor, aus denen sich ergibt, dass Berlin sogar wesentlich schlechter dasteht als andere Bundesländer. Der Finanzsenator hatte vorgerechnet, dass Rheinland-Pfalz nur 54 Prozent der Berliner Lehrerausstattung vorweisen könne und Bayern nur 78 Prozent. Hamburg dagegen sei mit 110 Prozent ausgestattet. Auf diese Zahlen war seine Verwaltung gekommen, indem sie die Einwohner- und Lehrerzahlen in Relation setzte. Genau dies aber sei die falsche Methode, kritisiert die GEW. Schließlich gebe es in Berlin 115,9 Schüler pro 1000 Einwohner und in Rheinland-Pfalz nur 68,1. Wenn man dies zugrunde lege, komme heraus, dass Rheinland-Pfalz anteilig 40 Prozent mehr Lehrer habe als Berlin. Anders ausgedrückt: In Berlin kommen auf jeden Lehrer 13,5 Schüler und in Rheinland-Pfalz 9,6 Schüler. Um die Gerüchte um die angeblich so viel bessere Lehrerausstattung in Berlin zu widerlegen, hatte die Senatsschulverwaltung schon im vergangenen Jahr einen detaillierten Vergleich mit Hamburg vorgelegt. Dabei kam heraus, dass Berlin 1500 Lehrer zusätzlich einstellen müsste, um Hamburger Standard zu erreichen. Allerdings hat Berlin Vorteile gegenüber Hamburg etwa bei der Lehrer-Arbeitszeit, Behindertenintegration, bei den Klassengrößen in Hauptschulen und bei der Personalvertretung.

Dagegen stehen aber Bereiche mit schlechterer Ausstattung. So haben Berliner Grundschüler in den Klassen 1 und 2 sieben Unterrichtsstunden weniger, in den Klassen 3 und 4 immerhin noch drei Stunden. Es gibt in Berlin weniger Stellen für die Ausländerförderung und für die Lehrerfortbildung. Zudem wurden gerade zwei Berliner Vorsprünge gestrichen, indem für Lehrer ab 55 die Stundenermäßigung gestrichen und die Unterrichtsverpflichtung für Lehramtsanwärter erhöht wurde. Dies allein bedeutet einen Wegfall von rund 360 Lehrerstellen im kommenden Schuljahr.

Die Finanzverwaltung wollte sich gestern nicht mehr zu den von der GEW beanstandeten Zahlen äußern. Stattdessen ließ Sarrazin verkünden, es bleibe „ein Faktum, dass die Lehrer-Schüler-Relation in Berlin gegenüber dem Bundesdurchschnitt um 14 Prozent günstiger ist, während die Zahl der pro Lehrer erteilten Stunden um sechs Prozent unter dem bundesdeutschen Niveau liegt“. Die GEW geht davon aus, dass Senator Sarrazin wieder die falsche Rechenmethode angewandt hat. sve

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