Berliner Street Art : Augen auf im Straßenverkehr

Der deutsche Schilderwald ist berüchtigt. Stopp! Denn in Berlin gilt nun: Vorfahrt für Street Art. Künstler gestalten Verkehrszeichen um – und die Polizei sieht’s gelassen.

von
Schwer zu heben hat ein Männchen auf diesem Einfahrtsverbotsschild in der Grimm- Ecke Dieffenbachstraße in Kreuzberg.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kai-Uwe Heinrich
30.01.2013 17:13Schwer zu heben hat ein Männchen auf diesem Einfahrtsverbotsschild in der Grimm- Ecke Dieffenbachstraße in Kreuzberg.

Sie tauchen auf und verschwinden wieder. Manche halten sich ein paar Tage, andere bleiben monatelang hängen, je nachdem, wann die Polizei auf sie aufmerksam wird. Die lässt dann die dünnen Klebefolien entfernen, mit denen Künstler Verkehrsschilder und Ampeln zu Straßenkunst verfremden. Die Fotos auf dieser Seite sind im Lauf der vergangenen Monate entstanden. Manche der abgebildeten Motive dürften inzwischen wieder verschwunden sein.

Schon etwas länger als in Berlin sieht man Straßenkunst dieser Art in Florenz, wo Anfang 2010 ein französischer Künstler namens Clet Abraham mit dem Bekleben von Verkehrsschildern begann. Abraham legt Wert darauf, dass seine Kunst den Betrachter nicht von der ursprünglichen Bedeutung der Schilder ablenkt, sondern im Gegenteil Schilder sichtbarer macht, die man wegen ihrer Allgegenwärtigkeit sonst kaum noch wahrnimmt. Die italienische Polizei, die den Künstler mehrfach Geldbußen zahlen ließ, sieht das offenbar anders.

Abraham hielt das nicht davon ab, bald auch in anderen italienischen Städten Schilder zu bekleben. Seine bekanntesten Motive – das Männchen, das den Querbalken eines Einfahrtsverbotsschilds wegschleppt, der gekreuzigte Jesus am Sackgassenschild – tauchten in Paris auf, in London, auch in Berlin. Unklar ist allerdings, welche dieser Kunstwerke inzwischen noch von Abraham selbst stammen, denn längst haben sich Nachahmer gefunden, die seine Motive kopieren und eigene hinzufügen.

Die Berliner Polizei geht gelassen mit der Klebekunst um. „Bei Feststellen derartiger ,Verschönerungen’ von Verkehrsschildern meldet die Polizei diese an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt“, erklärt Polizeisprecher Volkmar Axthelm. „Dort werden Maßnahmen zur Beseitigung eingeleitet. Eine Verfolgung durch die Polizei erfolgt nicht.“

Clet Abraham stellt seine Kunst auf Facebook unter dem Namen „Clet“ aus.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben