Zeitung Heute : Berliner Wirtschaft schlägt Alarm Wegen Fachkräftemangel:

Jugendjobcenter kommt.

Berlin – Angesichts von knapp 60 000 fehlenden Fachkräften hat die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) am Mittwoch eine „bildungspolitische Reformagenda“ vorgelegt. Damit mehr Jugendliche in eine duale Ausbildung finden, sollen die „Warteschleifen“ in den Berufsschulen vermieden werden. Ein Verbundsystem der Berufsverbände soll sicherstellen, dass auch leistungsschwächere Jugendliche eine duale Ausbildung erhalten. Ausdrücklich begrüßten IHK und Opposition das Ziel des Senats, mit Jugendberufsagenturen auf die hohe Berliner Jugendarbeitslosigkeit zu reagieren.

Die speziell auf die Bedürfnisse von Schulabgängern zugeschnittenen Agenturen sollen „passgenaue Angebote“ für Jugendliche bereithalten und vermeiden helfen, dass sie in die Sozialsysteme abwandern. „Wir wollen ihnen eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um den Übergang Schule–Beruf bieten“, kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch an. Das Modell der Jugendberufsagentur solle keine neuen Verwaltungsstrukturen schaffen, sondern die vielen, zum Teil für Jugendliche schwer zu durchschauenden Beratungssysteme von Jobcentern, Arbeitsagenturen, Jugend-, Studien- und Schulberatung „kundenfreundlich regional zusammenführen“.

„Unser Ziel ist, dass uns künftig kein Jugendlicher mehr verloren geht“, nannte Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) als vordringliche Aufgabe der neuen Agenturen. Dabei soll sich die Beratung „näher am Berliner Fachkräftebedarf orientieren“, was offenbar nötig ist: Die IHK mahnte, dass 2013 knapp 700 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden konnten. Dem stünden die Engpässe bei den Fachkräften gegenüber. Allein im Handel fehlten 9000 Kräfte.

Hauptgeschäftsführer Jan Eder kündigte an, dass die IHK 13 Millionen Euro an Überschüssen aus Mitgliedsbeiträgen sowohl in die Spitzenforschung als auch in die schwierige Nahtstelle zwischen Schule und Beruf investieren will. sve

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