Zeitung Heute : Berlins Bibliotheken begehren auf

KURT SAGATZ

Kinder- und Jugendbereiche suchen Anschluß an Multimediazug VON KURT SAGATZDie Situation ist verbesserungsfähig: Von den rund 140 Kinder- und Jugendbereichen in Berlins öffentlichen Bibliotheken verfügt nur jeder zwanzigste über eine PC-Station, auf der Software oder CD-ROMs angeschaut oder ausprobiert werden können, so denn neue Medien überhaupt zum Angebot der Einrichtungen gehören.Denn wie die Multimediawerkstatt der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) im Rahmen einer Umfrage unter den Kinder- und Jugendbereichen ermittelte, verfügen nur 15 Prozent der Einrichtungen über digitale Titel. Am unzufriedensten damit sind neben den Kindern und Jugendlichen vor allem die Bibliothekare der Stadt, die sich deshalb an diesem Freitag in den Räumen des Vereins BB-Jugend + Computer in Wedding zusammengefunden hatten, um nach Analyse der Lage nach Auswegen zu suchen."Multimedia gehört zum bildungspolitischen Auftrag der Bibliotheken, der in einer Grundversorgung der Bevölkerung mit Medien besteht", postulierte Claudia Lux, Generaldirektorin der Zentral- und Landesbibliothek den Anspruch der Bibliothekare.Zur ZLB gehört auch die Amerika-Gedenkbibliothek mit ihrem richtungsweisenden Multimedia-Angebot des "Halleschen Kometen", wo nicht nur CD-ROMs und Videospiele ausgeliehen werden, sondern auch Internet-Terminals bereitstehen.Das Beispiel dieses Jugendbereiches sollte deshalb auch als Pilotprojekt dienen, um in anderen Berliner Bezirken nachgeahmt zu werden, forderte die Leiterin der Tempelhofer Hauptbibliothek, Angelika Fahnemann.Nach ihrer Ansicht ist es überdies nötig, verbindliche Multimedia-Standards für die jeweiligen Bibliotheksbereiche zu definieren."Es geht nicht darum zu klagen, sondern darum, die vorhandenen Etats zugunsten elektronischer Medien umzuschichten." Allerdings bedürfe es bei der Hardware-Ausstattung einer Anschubfinanzierung sowie Hilfen durch Sponsoren. Damit die Bibliotheken ihrem Auftrag gerecht werden können, wird neben finanzieller Hilfe auch Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Multimedia-Titel für den Bestand der Bereiche benötigt.Uta Küpper-Morgenstern von der Multimedia-Werkstatt sieht in der zur Senatsschulverwaltung gehörenden Landesbildstelle den geeigneten Partner. Wie weit die Möglichkeiten der Neuen Medien reichen, erläuterte am Freitag Barbara Nicolas, die an der Schwielowsee-Grundschule eine Schreibwerkstatt betreibt.Dort wird der Computer neben Setzkasten, Federkiel und japanischem Tuschstein als ein Werkzeug unter vielen eingesetzt.Im praktischen Umgang verliert der PC dabei schnell den Mythos des Nürnberger Trichters."Anfangs schreiben die Kinder ihre Texte auf Papier vor und für Korrekturen wird der Text erst ausgedruckt", beschreibt Frau Nicolas die Schwierigkeiten, die sowohl ihre Schüler als auch viele Erwachsene bei ihren ersten Schreibübungen am PC haben.Denn ganz so "kinderleicht" ­ wie oft gepriesen ­ ist der Umgang mit dem Werkzeug Computer trotz aller spielerischen Elemente eben doch nicht.

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