Zeitung Heute : Bernd Schiphorst

In den Sechzigern tanzte er in der „Eierschale“, in der Promidisco „Badewanne“ oder in der Studentenkneipe „Riverboat“. Später holte Bernd Schiphorst allerlei große Medienunternehmen in die Spreemetropole – Berlin ist seine Heimat geworden. Sport und Medien bestimmen seither das Leben des Medienmanagers und Aufsichtsratsvorsitzenden von Hertha BSC.

Sein Morgenritual: Ein Glas stilles Wasser, gefolgt von einem Frühstück im Sofitel am Gendarmenmarkt, bevor Bernd Schiphorst seiner Beratertätigkeit nachgeht. Die Zeit nimmt er sich – trotz Dauerstress. Inzwischen genießt er das konzernungebundene Leben. Der Medienmanager pendelt zwischen Gremiensitzungen von Hertha BSC, Beratungstätigkeiten und dem Verkauf von Fernsehrechten für das Olympische Komitee. Mit TV-Sendern und Telekommunikationsunternehmen, die sich für solche Rechte interessieren, redet er schon jetzt über die Fernsehrechte für die Olympischen Spiele 2014 und 2016. Nebenher laufen diverse ehrenamtliche Aktivitäten. Und wo trifft man sich mit dem ehemaligen Präsidenten von Hertha BSC? Klar, im Olympiastadion (1). Das zweite Zuhause von Bernd Schiphorst. Gemeinsam besichtigen wir die Ehrenloge, seinen Sitzplatz: die Nummer eins, in Reihe eins. Den räumt er nur für Angela Merkel oder anderen hohen Besuch. Das Stadion liegt uns zu Füßen, ein erhabenes Gefühl, Gänsehaut pur. Das Hertha-Blau auf der Bahn und das sich zum Glockenturm öffnende Dach – beides unverkennbare Merkmale des Olympiastadions. Die beliebte Stadiontour ist wie ein historischer Lernpfad. Alle markanten Punkte und Stationen sind auf Tafeln in deutscher und englischer Sprache von Historikern kommentiert worden. Ein Stück problematische deutsche Geschichte wird hier aufgearbeitet. In vier Jahren Renovierungszeit verwandelte ein Team von Architekten, Ingenieuren und Bauleuten dieses bedeutende Denkmal zum Hightech-Stadion. Der Umbau kostete 242 Millionen Euro. Vom Trubel im Stadion zieht es uns an einen idyllischeren Ort – in den Tiergarten (2). Bernd Schiphorst findet die Anlage schöner als den Central Park in New York. Zum Joggen, Radfahren oder Spazierengehen mit seiner Frau Dorothee und Airedale Terrierhündin namens Daisy genießt der sympathische Wahlberliner die Natur und Ruhe im Tiergarten. Ab und an läuft ihm die Bundeskanzlerin über den Weg, heute begegnet uns Interconti-Chef Willy Weiland. Smalltalk – und weiter geht’s zum Aigner (3) am Gendarmenmarkt. Beinahe täglich kommt Bernd Schiphorst um die Mittagszeit vorbei – „ich habe mein Esszimmer ins Aigner verlegt“, schmunzelt er. Lobende Worte für die fabelhafte, deutsche Küche, die trotzdem leicht ist, und für das unglaublich freundliche Personal. Der vielbeschäftigte Nachbar - Bernd Schiphorst wohnt in Sichtweite - kann zu jeder Tag- und Nachtzeit kommen, und kriegt stets eine warme Mahlzeit. Besonders die Suppen haben es ihm angetan, in allen Variationen: die Schwäbische Hochzeitssuppe, Sauerkrautsuppe oder die Bärlauchcremesuppe. Küchenchef Andreas Klitsch begrüßt uns, seit beinahe elf Jahren gehört er zum Aignerteam. „Herr Schiphorst ist beliebt beim gesamten Personal, immer lässig, keine Ansprüche, wo er sitzen will“, sagt Klitsch über einen seiner Lieblingsstammgäste. Nur: Ein schlechtes Gewissen hat der Chefkoch – „die Karte wird nicht so oft geändert“. Seit über acht Jahren sitzt Bernd Schiphorst an einem der drei runden Tische weiter hinten im Saal, leicht versteckt in der Mitte – so auch heute mit uns. Nach einem kräftigen Friesentee, den genießt der 65-Jährige von morgens bis abends, gönnen wir uns noch einen Espresso nebenan im Borchardt (4). Man kennt sich hier. Ein Showlaufen durchs Restaurant, ein Sehen und Gesehen werden. Peter Schwenkow grüßt freundlich, ein kurzer Plausch mit Dieter Stolte. Beeindruckend, wen man hier so alles trifft: „Die Berliner Republik sitzt da, so erledigt sich meine Telefonliste“, schmunzelt Bernd Schiphorst. Der Zauber vom Borchardt geht eindeutig von den Gästen aus, vom hohen Promifaktor. Schauspieler, Politiker, Medienmenschen und Wirtschaftsbosse geben sich im feinen Nobelrestaurant mit Gründerzeit- Charme die Klinke in die Hand. Die Macher vom Borchardt beherrschen geschicktes Networking – „ich bekomme immer einen versteckten Hinweis, wer heute da ist“, so Bernd Schiphorst. Im bezaubernden, wild bewachsenen Innenhof sitzt der Medienmanager am liebsten, gerne auch zu Geschäftsterminen, kümmert sich von hier aus beispielsweise um das Konzerthaus (5) am Gendarmenmarkt und vermittelt die wichtigen Kontakte in die Wirtschaft – er sitzt im Kuratorium des Konzerthauses. Bernd Schiphorst lobt den hervorragenden Dirigenten Lothar Zagrosek, doch leider sei man im Stadtgespräch nicht die Nummer eins. Jeden Morgen läuft der Medienmanager über den Gendarmenmarkt – „sommers wie winters immer ein neuer und schöner Anblick“. Wir laufen weiter Richtung Hausvogteiplatz, vorbei an den neu errichteten Berlin Townhouses (6). Seit drei Jahren entstehen dort mehrgeschossige Reihenhäuser nach Amsterdamer Vorbild. Individuelles und zugleich innerstädtisches Wohnen im Haus mit Garten – mitten im historischen Zentrum. Charakteristisch sind die langen, schmalen Parzellen – originell und unkonventionell bis traditionell und bürgerlich. Jeder verwirklicht sich selbst. Am Hausvogteiplatz winkt der Friseur von Bernd Schiphorst: André Goerner von Goerner & Cuber, The Art of Cutting (7). Alle drei Wochen lässt sich der Wahlberliner vom Cheffigaro frisch frisieren. „Bernd Schiphorst ist einer der angenehmsten Kunden, denn er weiß genau, was er will“, grinst André Goerner, eine halbe Stunde benötigt er für einen Schnitt. Die angenehme Atmosphäre und die sympathischen Mitarbeiter haben Bernd Schiphorst vom ersten Besuch an überzeugt. Mit neuem Friseurtermin in der Tasche ziehen wir weiter. In der Ferne erblickt Bernd Schiphorst die Überreste vom Palast der Republik – „der wird immer bizarrer, je mehr sie davon abtragen“. Vor uns liegt die Friedrichswerdersche Kirche (8). Ein faszinierendes Bauwerk. Über hundert Jahre, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, diente die Friedrichswerdersche Kirche als Gotteshaus, blieb dann über vier Jahrzehnte als Ruine ungenutzt. Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins wurde sie 1987 als Dependance der Nationalgalerie und Schinkelmuseum wieder allgemein zugänglich gemacht. Auch im Hotel de Rome (9) hängt eine anspruchsvolle Kollektion von rund 650 Kunstwerken. In dem ehemaligen Bankgebäude von 1889 ist Bernd Schiphorst gern gesehener Gast. Regelmäßig veranstaltet er im exklusiven Spitzenhotel Tagungen und Workshops zum Thema Digitalisierung. Mit Politikern, Bloggern, MySpace- und StudiVZ-Usern wird über Probleme im Datenschutzbereich diskutiert. Wir sitzen im gemütlichen Séparée der Hotellounge bei weit geöffnetem Fenster und genießen die einfallenden Sonnenstrahlen bei einer Tasse Kaffee. Gerne würden wir noch gemeinsam den „Spa de Rome“ in den ehemaligen Tresorräumen auskosten, doch leider drängt die Zeit. Bernd Schiphorst muss los, zu einer Abendveranstaltung im International Club in Charlottenburg. Sophie Guggenberger

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben