Zeitung Heute : Berti und die Fitneß

KLAUS ROCCA

NIZZA .Sage niemand, Fußballer seien bei einer Weltmeisterschaft kaserniert.Deutschlands Nationalspieler hat es sogar bis Monte Carlo verschlagen.Nein, nicht ins weltberühmte Spielcasino.In einem Café versteigerten sie ein Trikot mit den Unterschriften aller Spieler.Wie hoch die hier im Kurs stehen, zeigt der erzielte Erlös: 11 000 Franc.Vielleicht auch nur, weil Scherzbold Sepp Maier zwischendurch mal mitgeboten hatte.

Gestern nachmittag scheuchte der deutsche Torwarttrainer im Stadion "Charles Ehrmann" von Nizza schon wieder seine Schutzbefohlenen.Besonders Jens Lehmann, den dritten Torwart.Lag es an der drückenden Schwüle oder am besonderen Ehrgeiz beider - Lehmann bekam jedenfalls einen leichten Schwächeanfall.Kein Grund zur Besorgnis, auch nicht bei Berti Vogts.Der hat derzeit andere Sorgen.Auch nicht gravierende, schließlich ist bis zum Montag noch Zeit.Bis dahin ist zwar der blessierte Steffen Freund noch nicht wieder fit, doch Thomas Helmer und Christian Ziege sind es sicher.Beide waren gestern beim Training schon wieder mit von der Partie.

Wie Vogts ohnehin glaubt, daß "die Kraft zurückgekommen ist", bei allen.Und auf Kraft und Fitneß legt der Bundestrainer nun einmal besonders Wert.Sein Credo: "Wer am fittesten ist, wird Weltmeister".Hoffentlich wird auch der Weltmeister, der nicht nur fit ist, sondern auch den besten Fußball spielt.Daß die Deutschen den besseren Fußball als der erste Gruppengegner USA bieten, ist für Vogts ohnehin klar.Wenngleich er die USA "nicht so recht beurteilen kann", ist für ihn die deutsche Mannschaft am Montag in Paris der klare Favorit.Ein gesundes Selbstbewußtsein.Wie meinte doch Mannschaftskapitän Jürgen Klinsmann: "Wir müssen einfach stark in dieses Turnier starten, sonst kann ganz schnell Hektik aufkommen".Hektik, die Vogts schon bei den Italienern nach dem fast verpatzten Start ausgemacht zu haben glaubt.

Derweil grämt sich DFB-Präsident Egidius Braun noch immer ob der verlorenen Wahl von Lennart Johansson gegen Josef Blatter.Es spricht für Braun, daß er bei der gestrigen Pressekonferenz nicht in den Chor jener einstimmte, die da meinen, Blatter habe seine Wahl erkauft."Es gibt Gerüchte", so Braun, "aber damit können wir nichts anfangen." Solange keine Fakten auf den Tisch kämen, würde er keine Stellungnahme abgeben.

Soviel ist Braun jedenfalls schon klar: "Der Fußball in der Welt hat Schaden genommen." Und die Chancen für den DFB, die WM 2006 auszurichten, sind geringer geworden.Mag sich der Kanzler gestern unterm selben Dach auch so vehement für den Standort Deutschland stark gemacht haben.Wie meinte er doch: "Dazu bedarf es aber eines entsprechenden Stadions in Berlin." Daß der Bund bislang wenig getan hat, um das Olympiastadion weltmeisterschaftsreif zu machen, erwähnte er natürlich nicht.Doch konnte man ihm das bei den leeren öffentlichen Kassen verübeln?

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