Zeitung Heute : BERTI VOGTS ERWARTET IM ACHTELFINALE EINEN HEISSEN TANZ: Hitze als zwölfter Mann für Mexiko?

KLAUS ROCCA

NIZZA .Fast ist man geneigt, in Sorge zu sein.Da wähnt Berti Vogts Mexiko in Südamerika, und mit der Nationalmannschaft dieses Landes hat er sich "überhaupt noch nicht beschäftigt".Welch schrecklicher Gedanke: Da spielt Deutschland morgen im Stadion "De la Mosson" von Montpellier gegen die Mexikaner im K.-o.-System - und der Bundestrainer kennt den Gegner gar nicht."Ich werde die Mexikaner schon noch studieren", beruhigt er.Gar tröstlich für die deutsche Fußballgemeinde.

Ein wenig geflunkert hat er doch, der Berti.Auf die Frage eines mexikanischen Kollegen, ob er denn wie die Holländer mit hohen Flanken vors Tor die Schwäche des kleingewachsenen mexikanischen Torhüters Jorge Campos auszunutzen gedenke, konterte Vogts: "Der Campos hat dafür die größte Sprungkraft aller WM-Torhüter." Aha, den Paradiesvogel, für seine grellbunten Hemden und seine weiten Ausflüge aus seinem Strafraum heraus bekannt, den kennt er doch.Der Anfang ist gemacht.

Aber der Bundes-Berti hat ohnehin andere Sorgen.Das mit dem Mittelfeld, das "klappe zwar schon besser, aber immer noch nicht so, wie ich mir das vorstelle".Einen Mario Basler, den hätte er jetzt gern gehabt, "aber dem mangelt es leider an der nötigen Fitneß".Da hatte Vogts wohl schon vergessen, daß er Minuten vorher gesagt hatte, der Matthias Sammer fehle ihm, "sonst kein anderer Spieler".Von den Effenbergs und Scholls, von denen hält er ohnehin nichts.Da wollten sich, so Vogts, doch nur die Vereinstrainer wichtig machen, wenn sie diese Namen ins Gespräch brächten.

Daß er andere, seine Leistungsträger, im nachhinein kritisierte, war bei der gestrigen Pressekonferenz die eigentliche Überraschung.Den Jens Jeremies habe er im Spiel gegen den Iran nicht gebracht, weil der im Duell mit den Jugoslawen "nicht so gegriffen habe, wie ich mir das vorstellte".Auch Lothar Matthäus bekam sein Fett ab: "Er hat in der ersten Halbzeit des Spiels gegen den Iran seine Aufgabe im zentralen Mittelfeld nicht erfüllt." Dabei sah es mehr wie eine Strafaktion gegen Olaf Thon und eine Belohnung für Matthäus aus, daß er den Rekordinternationalen nach der Pause auf die Libero-Position stellte.Verraten hat Vogts auch, daß Christian Ziege, offenbar tief getroffen durch die Schmährufe, nach dem Spiel gegen den Iran in der Kabine den Tränen freien Lauf gelassen hat.Der "begnadete Fußballer" Ziege sei nun tief verunsichert.Da hätte man Verständnis, würde Vogts dem "Italien-Legionär" morgen erneut eine Pause gönnen.Oder baut man ihn gerade wieder auf, indem man ihn aufs Feld schickt? Michael Tarnat hat die besseren Karten auf der linken Außenbahn.

Sorge könnte die Hitze zur morgigen Nachmittagsstunde bereiten; besonders wegen des hohen Durchschnittsalters des Teams.Zudem sind die Mexikaner derartige Temperaturen gewöhnt.Als sie bei der WM 1986 im eigenen Land gegen die Deutschen ausschieden, konnten sie von den 50 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit allerdings nicht profitieren.Vogts nennt die für morgen von den Meteorologen angekündigte Hitze "Mexikos zwölften Mann", meint aber, die Hitze mache seinen Spielern nichts aus, "denn sie sind topfit".Logisch - oder nicht?

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