Zeitung Heute : Beruflich notwendig muss es sein

Wie man das Finanzamt von der fachlichen Nützlichkeit seiner Weiterbildung überzeugt – und an den Kosten beteiligt

Paul Janositz

Ohne gut ausgebildete Mitarbeiter kann ein Wirtschaftsstandort nicht blühen. Das bewährte duale System in der Berufsausbildung und auch die Hochschulen liefern anerkannt gut qualifizierte Fachkräfte. Doch mittlerweile reicht eine erste Ausbildung nicht mehr aus, den Arbeitsplatz dauerhaft zu sichern. Fortbildung und Weiterbildung sind notwendig – und dafür gibt es viele Angebote. Die Kosten für diese individuelle Weiterqualifikation trägt nun aber nicht nicht mehr der Staat. Oft stehen Betriebe oder Arbeitsamt zwar gerade dafür, aber wenn nicht, muss der Bildungswillige selbst in die Tasche greifen. Immerhin: Einen Teil der Kosten kann er über die Steuererklärung zurückbekommen. Das Finanzamt schaut freilich mit scharfem Blick, ob die Kosten für die berufliche Weiterqualifikation anzuerkennen sind. Welche Vorschriften gibt es nun dafür?

„Das ist ein brisantes Thema“, sagt Bernd Schöning von der Steuerberatungsgesellschaft GLM in Berlin. Es sei zu unterscheiden zwischen Weiter- und Fortbildung. Letztere liege vor, wenn durch eine Maßnahme „die Qualifikation im ausgeübten Beruf“ gefördert werde. Andernfalls spricht das Finanzamt von Weiterbildung und sieht die Kosten als Sonderausgaben an. Die jährliche Höchstgrenze für eine steuerlich absetzbare Weiterbildung im nicht ausgeübten Beruf wurde zu Anfang 2004 kräftig angehoben, von früher 920 auf jetzt 4000 Euro.

Kein Limit gibt es dagegen bei Kosten für Maßnahmen, mit denen die Qualifikation im ausgeübten Beruf erhalten oder erhöht werden soll. „Alles was für derartige Fortbildungen aufgewendet werden muss, zählt zu den Werbungskosten, die ohne Begrenzung abzugsfähig sind“, erklärt Schöning.

Sind nun der Sprach- oder EDV-Kurs als Fortbildung anzusehen, wie der steuerpflichtige Bürger behauptet, oder handelt es sich um Weiterbildung, wie es das Finanzamt gerne sieht? Wenn sich die Parteien uneinig sind, müssen Gerichte entscheiden. Oft setzt der Bundesfinanzhof (BFH) die Maßstäbe. Das Resultat sind nicht selten neue Gesetze und Verordnungen – wie das kräftig erhöhte Limit für als Sonderausgaben anzuerkennende Weiterbildungsausgaben.

Aus den Urteilen des BFH schöpft auch Schöning. Er berichtet von einer Krankengymnastin, die Medizin studierte und die Promotionskosten absetzen wollte, sowie von einer Gymnasiallehrerin, die sich zu einer Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche ausbilden ließ. Schließlich zitiert er einen Flugbegleiter, der auf den Pilotensitz wechselte. „Das ist Weiterbildung im nicht ausgeübten Beruf“, sagte das Finanzamt, die Kosten seien nur als Sonderausgaben absetzbar. „Das sind Werbungskosten“, urteilte das oberste deutsche Finanzgericht in München, vorab entstanden für die berufliche Fortbildung. Bei diesen so genannten negativen Einkünften sei – anders als bei Sonderausgaben – sogar ein Vortrag auf kommende Jahre möglich. „Das kann eine ganze Menge Geld ausmachen“, berichtet Schöning.

Fortbildung kann aber auch durch gesundheitliche Gründe begründet sein, sagt Schöning. Als Beispiel nennt der Steuerexperte den Bäcker mit Mehlstauballergie oder den Friseur, der auf Shampoo mit Hautausschlägen reagiert.

Welche Kosten sind es nun im einzelnen, um die der Streit so oft geht? Kurs- und Prüfungsgebühren können es sein, auch Fahrtkosten, Kosten für Unterbringung und Verpflegung am Seminarort, Ausgaben für Bücher oder Software und eventuell auch die Kosten für ein Arbeitszimmer. „Auch die Fahrt zum Studienkollegen, um gemeinsam zu lernen, kann dazu gehören“, erklärt der Experte.

Doch selbst wenn ein Seminar zu hundert Prozent betrieblich veranlasst ist, kann die – für den Besuch eines Freundes genutzte – Anreise vom Finanzamt teilweise als privat angesehen werden. Die Aufwendungen könnten dann nicht abgesetzt werden.

Das verdeutlicht den Grundsatz, die Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen nicht mit privaten Aktivitäten zu vermischen. Denn die Finanzämter streichen üblicherweise rigoros alles, was den Eindruck erweckt, es könnte der Persönlichkeitsentwicklung oder der Allgemeinbildung dienen.

Bei allem gilt der eherne Grundsatz, dass nur Kosten geltend gemacht werden können, die sich auch nachweisen oder zumindest glaubhaft machen lassen können. „Der größte Fehler liegt in der Bequemlichkeit, Belege nicht zu sammeln und zusammenzustellen“, sagt Schöning. Dies gilt auch für die Sprachkurse, die immer wieder zum Streitfall werden. Das Finanzamt sieht darin normalerweise „allgemeinbildende Maßnahmen, die nicht als Betriebsausgaben absetzbar sind“. Besonders bei den Auslandssprachkursen zeigen die Finanzbeamten den nach Steuerleichterung nachsuchenden Bürgern gern die rote Karte.

Neuere BFH-Urteile haben jedoch die harte Haltung der Finanzbehörden aufgeweicht. Es kommt eben darauf an darzulegen, dass die Sprachkenntnisse am Arbeitsplatz nützlich sind. Wenn beispielsweise geschäftliche Telefonate mit Kunden in Amerika zu führen sind, sieht Schöning für den Kurs „Business-Englisch“ gute Chancen auf Anerkennung. Die Absolvierung eines Japanisch-Kurses, um beispielsweise die japanischen Geschäftspartner durch die Bestellung von Sushi in ihrer Landessprache beeindrucken zu können, dürfte dagegen nicht auf Anhieb als „beruflich notwendig“ einleuchten.

Aber auch zweifelhafte Fälle können für den Betroffenen positiv ausgehen. Es kommt immer darauf an, den Bezug zur Erwerbstätigkeit herzustellen. „Man muss Munition sammeln“, sagt Schöning. Denn auf den Nachweis fachbezogener Inhalte legen die Finanzämter mittlerweile besonderen Wert. So ist es nützlich, eine entsprechende Bescheinigung des Vorgesetzten oder das Kursprogramm vorzulegen. „Nützlich“ ist es, wenn sich die berufliche Fortbildung bereits eindeutig aus dem Namen des Seminars erkennen lässt. Ein Kurs mit dem Titel „Gewusst wie“ dürfte Probleme mit dem Finanzamt bereiten, „Know-how für den perfekten Außendienstler“ dagegen ohne Rückfragen anerkannt werden. In der Praxis hat es sich bewährt, die Schulungsunterlagen aufzubewahren, um sie im Streitfall vorlegen zu können.

Infos im Internet unter:

www.testberichte.de

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