Zeitung Heute : Besser als Telefonnummern

HANS-PETER STRICKER

Eigenes Adressierungsschema macht das Internet durchschaubarVON HANS-PETER STRICKEROberflächlich betrachtet sind sie die Telefonnummern des Internet: Man tippt sie ein und wird verbunden.Nur daß man der Ziffernfolge einer Telefonnummer keine tieferen Geheimnisse entlocken kann.Die "Uniformen Resourcen-Lokatoren" (URL) hingegen, nicht zufällig das Aushängeschild der Internet-Serie "Weltweit im Netz", stellen einen durchaus entzifferbaren Code dar. So bedeutet zum Beispiel das ikonenhafte "http", der ständig wiederkehrende erste Teil einer URL, daß aller Datenverkehr mit dem bezeichneten Computer über das sogenannte Hypertext-Transport-Protokoll abgewickelt wird.Nicht selten ist es aber auch das File-Transfer-Protokoll, dann beginnt die Adresse mit "ftp", oder das Internet-News-Protokoll, dann fängt sie mit "news" an.Das der Protokoll-Angabe und den Zeichen :// (gesprochen "slash, slash") regelmäßig folgende "www" ist vergleichsweise unwesentlich.Es besagt nur, daß man mit dem für das World Wide Web zuständigen Computer eines Informationsanbieters verbunden wird, der seinen Web-Server mehr oder weniger zufällig "www" genannt hat.Wer dieser Anbieter ist, tut der darauf folgende sogenannte Domain-Name kund, zum Beispiel der des Tagesspiegels."http://www.tagesspiegel.de" lautet seine ebenso typische wie klassisch-schöne Adresse, mit "tagesspiegel" als Domain-Name.Das Kürzel "de" (für Deutschland) gibt die Top-Level-Domäne an, stellt also die höchste Stufe (top level) der Adress-Hierarchie dar.Neben geographischen Top-Level-Domänen wie "de", "at" (Österreich) und "uk" (Großbritannien) begegnen dem Internet-Surfer wohl am häufigsten die amerikanischen Kürzel "com" (Unternehmen), "edu" (Universitäten mit in der Regel hochwertigem Informationsangebot) und "net" (für Netzwerk-Organisationen).Hinter einer com-Adresse muß freilich nicht immer ein finanzkräftiger Konzern stehen: Schon für weniger als hundert Mark im Monat kann jeder eine com-Domäne bei der amerikanischen Adressverwaltung InterNIC pachten (www.internic.net). InterNIC und Tagesspiegel zeigen übrigens, daß es sich für den Benutzer durchaus lohnen kann, auf gut Glück eine Internet-Adresse einzugeben, wenn man denn ahnt, wie der Domänen-Name lautet.Immer mehr Internet-Anbieter wählen aus diesem Grunde die Standard-Eröffnung "www" und einen möglichst aussagekräftigen Domänen-Namen. Genaugenommen sind die URL-Adressen nur Gedächtnishilfen.Unter der Benutzeroberfläche wird ein Internet-Computer nämlich letzten Endes doch durch eine Nummer adressiert, diesmal wirklich einer Telefonnummer gleich.Diese sogenannten IP-Nummern haben heute durchweg zwölf Dezimalstellen und sind damit lang genug, um ein paar Milliarden Rechner voneinander zu unterscheiden.Künftig werden sie im Rahmen des IPv6 (Internet-Protokoll Version 6) sogar achtundvierzig Stellen haben und damit jedes Sandkorn dieser Erde adressieren können.So oder so sind sie zu lang, um sie sich auswendig zu merken - deshalb gibt es URLs.Die Ordnung, die man mit ihrer Hilfe in den Internet-Adressen-Dschungel bringen kann, soll in Zukunft noch erhöht werden: sieben neue Top-Level-Domänen, von "arts" (für Künste) bis "store" (für virtuelle Kaufhäuser), werden nach dem Willen eines eigens ins Leben gerufenen Konsortiums in Kürze die Orientierung im World Wide Web weiter erleichtern.

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