Zeitung Heute : Bessere Lesegeräte und Software ersparen Kassierern bald das mühsame Kleingeldzählen

Henry Steinhau

Kaum eine Anwendung scheint für den Einsatz von Chipkarten so prädestiniert wie das bargeldlose Bezahlen, speziell bei Kleinbeträgen von unter zehn Mark. Mit diesen Größenordnungen umzugehen sind gerade die Hersteller, Aufsteller und Betreiber von Automaten gewohnt. So gab diese Branche auch ein gutes Feld ab, um im Rahmen eines Workshops der Berliner Fachkonferenz "Omnicard 2000" die Perspektiven der Nutzung von Chipkarten zu deklinieren.

Bargeld einsammeln, sortieren, prüfen, zählen - das ist viel Arbeit, mühsam und teuer. Doch so plausibel die Umrüstung von Automaten für Parkhaus- und Parkscheine, Zigaretten, Getränke, Fahrscheine, Snacks oder Eintrittskarten auf Geldkarte ist, so schwierig scheint die Realisierung. Norbert Monßen, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Verpflegungs- und Vending-Unternehmen, berichtet von störungsanfälligen Lesegeräten und instabiler Software, deren Tauglichkeit für den täglichen Dauereinsatz noch nicht gegeben sei. Dies hätten Pilotprojekte ergeben, wie sie beispielsweise von den Berliner Verkehrsunternehmen mit dem "tick.et"-System durchgeführt werden. Letzteres greift bereits den Trend der "kontaktlosen" Datenübermittlung auf: Statt über ein elektromechanisches Lesegerät findet die Transaktion via Kurzfunkverbindung statt, der Verbaucher muss die Karte nur nahe genug vor das Lesegerät halten.

Ein weiterer Trend der Chipkarten-Technologie betrifft die Multifunktionalität. "Mit der Karte soll man auch Eintritt bezahlen können, etwa zu Kultureinrichtungen", erklärt eine tick.et-Projektmitarbeiterin. Die Integration von kleinen Tastaturen oder sogar Feldern zur Erfassung des Fingerabdrucks, die Beigabe von Koprozessoren für die Übernahme von Standardvorgängen, wie das Überprüfen der Geheimnummern-Eingabe, die Programmierbarkeit der Chips über verbreitete Plattformen wie Java und Jini, die Implementation von Chipkartenlesegeräten in die durchschnittliche PC-Umgebung sowie die umfassende Integration unterschiedlicher Services (das vernetzte, Karten-gesteuerte Haus) - das alles versprechen die Hersteller von Chipkarten für die nahe Zukunft. Den am Beispiel der Automatenbranche bereits angesprochenen, geschäftlichen Chipkarten-Anwendern fehlen indes die (globalen) Standardisierungen, etwa für die Schnittstellen zwischen den elektromechanischen Lesegeräten und betrieblichen PC-Umgebungen. Fehlendes Marketing sei ein weiterer Grund für die schleppende Akzeptanz der Geldkarte.

Für viele erscheine es daher ratsam, den Verbrauchern und Endbenutzern der Smartcards schnell keine Alternative mehr zu lassen, etwa mit Automaten, die sowohl Karten als auch Münzen akzeptieren. Erst wenn man, ähnlich wie bei den Telefonzellen der Telekom, nur noch mit Telefon-Karte weiterkomme, werde sich die Nutzung drastisch verbessern.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben