Zeitung Heute : Besseres Arbeiten am Computer

FRANK BANTLE

Seit Januar regelt eine EU-Norm die Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen VON FRANK BANTLE

Mit wackeligen Schreibtischen, schlechter Beleuchtung und alten PC-Tastaturen ist jetzt Schluß in deutschen Büros.Seit 1.Januar 1997 müssen Firmen ihre Bildschirmarbeitsplätze nach ergonomischen Gesichtspunkten auf gesundheitliche Risiken überprüfen.Und: Arbeitnehmer haben ein Anrecht auf eine Arbeitsplatzanalyse.Die neue "EU-Richtlinie über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten (Bildschirmarbeitsverordnung)" legt Mindestanforderungen an das Bildschirmgerät selbst, den Arbeitsplatz, die Umgebung, die Arbeitsorganisation sowie an die Software-Ausstattung fest.Auch Tele-Arbeiter, die im Heimbüro einen PC-Arbeitsplatz einrichten, können sich an den Vorgaben der Richtlinie orientieren. So muß der PC-Bildschirm zwischen 15 und 25 Grad nach hinten geneigt sein, damit die oberste Schriftzeile auf dem Monitor noch unter Augenhöhe liegt.Außerdem darf die mittlere Tastatur höchstens drei Zentimeter hoch sein und der Geräuschpegel des PC-Druckers muß unter 55 Dezibel liegen.Ferner regelt die EU-Vorschrift, daß nur flimmerfreie Monitore und ergonomische Tastaturen einzusetzen sind; auch benutzerfreundliche Software und bequeme Ablageflächen werden erwähnt. Das Ziel der Verordnung: Langfristig sollen arbeitsbedingte Gesundheitsbeschwerden reduziert werden."Sinnvoller Arbeitsschutz ist Voraussetzung für eine langfristige Entlastung des Systems der sozialen Sicherung, indem er Unfälle, Krankheiten, Berufs- und Erwerbsunfähigkeit verhindern hilft", stellt das Bundesarbeitsministerium dazu fest.Die Behörde weist aber auch darauf hin, daß Arbeitgeber, die in der Vergangenheit die Sicherheitsregeln der Berufsgenossenschaften und entsprechende DIN-Normen beachtet haben, die Anforderungen der Verordnung in der Regel bereits erfüllen. Ralf Pfeiffer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Assmann Büromöbel (Melle), bringt es auf den Punkt: "Je stärker und größer der Personal- und Betriebsrat, desto schneller wird man mit der EU-Richtlinie arbeiten; je kleiner eine Firma, desto länger wird es dauern." Wie die meisten seiner Mitbewerber, erwartet Pfeiffer in nächster Zeit deshalb keine großen Umsatzsteigerungen.Wenn sich die EU-Norm positiv für die Möbelbranche auswirke, dann mit Sicherheit nur im Segment der Großkunden wie Banken, Behörden oder Versicherungen. Wie bekannt sind die EU-Empfehlungen bei den deutschen Arbeitgebern? Es sickert in der Kundschaft allmählich durch, daß es Mindestanforderungen für einen PC-Arbeitsplatz gibt", sagt Ralph Kuhn, Geschäftsführer der Firma Wilfried G.Kuhn ODV-Vertrieb aus Haan.Er vertreibt hochspezialisierte Produkte wie Schwenkarme oder Sichtblenden für die ergonomische Handhabung von Bildschirmgeräten.Viele seiner Kunden hätten sich das Jahr 2000 als Termin für die ergonomisch optimale Ausrichtung ihrer Büros gesetzt.Kuhn rät allen, die ihre PC-Arbeitsplätze neu gestalten, auf Zertifikate zu achten. Ein wichtiger Baustein des neuen Regelwerks ist die Arbeitsplatzanalyse, die von Arbeitnehmern eingefordert werden kann, sofern der Arbeitgeber nicht von alleine eine Bestandsaufnahme durchführt.Die Analyse umfaßt sechs Komponenten: Fläche, Sitzen und Bewegen, Sehen und Wahrnehmen, täglicher Arbeitsablauf, geistige Konzentration und Unfallschutz. Folgende Punkte sollten Unternehmen bei der Analyse beachten: Mitarbeiter und Führungskräfte wissen am besten um die Arbeitsabläufe, das Umfeld, die Organisation, die Kommunikation, die Verkehrswege und die technischen Voraussetzungen.Deswegen sollen sie zuerst gemeinsam eine Ist-Analyse erstellen.Dann soll ein unabhängiger Büroplaner, der die Anforderungen kennt, einen Sollzustand beschreiben "Blanko-Analysen" externer Berater seien kritisch zu betrachten."Die Arbeit in einem Unternehmen baut auf Erfahrungen, bewährten Abläufen und festgelegten Voraussetzungen auf, die sinnvoll und richtig sind", sagt Roland Haas, selbständiger Büroplaner aus Reutlingen."In einem anderen Unternehmen können die gleiche Abläufe aber völlig ineffizient sein."

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