Zeitung Heute : Bestatter

Marion Hartung

HEUTE GESUCHT:

In wenigen Wochen beginnt das neue Ausbildungsjahr und viele Jugendliche suchen noch eine Lehrstelle. Gemeinsam mit dem Online-Portal meinestadt.de hat der Tagesspiegel deshalb diese Aktion gestartet: Zweimal wöchentlich porträtieren wir in den kommenden Wochen Firmen, die Ausbildungsplätze zu vergeben haben.

Es liegt auch am Fernsehen, dass das Sterben nicht mehr so gruselig ist, meint Tim Jütz. In vielen Serien gehe es um den Tod. Die US-Fernsehserie „Six feet under“ zum Beispiel erzählt von einer Familie und ihrem Bestattungsinstitut. „Durch solche Filme ist das Thema wieder gesellschaftsfähiger geworden“, glaubt der Ausbildungsleiter von Ahorn Grieneisen. Das Unternehmen ist einer der größten Bestattungsdienstleister Deutschlands - und kann sich in den letzten Jahren über mangelnde Bewerbernachfrage nicht beklagen: Seit im August 2003 die staatlich geregelte Berufsausbildung zur Bestattungsfachkraft eingeführt wurde, bewerben sich jährlich bis zu 800 junge Menschen um einen Ausbildungsplatz. In diesem Jahr werden bei Grieneisen bundesweit 20 und in Berlin zehn Stellen frei. Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren verändert, erklärt Jütz. Zwar würden die meisten Toten noch auf die klassische Art beerdigt. Doch immer mehr Menschen wählen außergewöhnliche Bestattungen: Ihre Asche wird aus einem Ballon heraus in alle Winde verstreut, in einer Urne im Meer versenkt oder in einem Friedwald unter einem Baum begraben.

Den Arbeitsalltag aber hat das kaum verändert: Die Trauerexperten betreuen die Hinterbliebenen, beraten und begleiten sie bei Behördengängen, besprechen mit ihnen, wie die Feier abläuft und welche Kosten auf sie zukommen. Außerdem versorgen sie den Verstorbenen: Sie überführen ihn in die Aufbahrungshalle, säubern und schminken ihn und richten Sarg oder Urne her. Rund 25 Bestattungen stehen für einen Bestatter im Monat auf dem Programm, schätzt Jütz.

Aber nicht erst mit dem Sterben beginnt für die Trauerexperten die Arbeit. Sie beraten auch Kunden, die sich auf den Tod vorbereiten und an einem Bestattungsvorsorgevertrag interessiert sind.

Die Lehre dauert drei Jahre. Die Azubis werden von Anfang an in die Kundenbetreuung und das Planen von Trauerfeiern einbezogen. In einer Berufsschule in Bad Kissingen werden sie in Bestattungsrecht und Grabkunde ausgebildet, in kulturellen und religiösen Bestattungsritualen, in Trauerpsychologie und Gesprächsführung. Daneben stehen kaufmännische Themen, Verwaltung und Marketing auf dem Stundenplan.

Die Ausbildung startet am 1. Juli. Die Chancen übernommen zu werden, sind gut: „Wir bilden für den Eigenbedarf aus“, sagt Jütz. Informationen gibt es unter www.ahorn-grieneisen.de.

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