Zeitung Heute : Betreff: Ihr Stellenangebot vom …

Wer heute einen Job sucht, muss beides beherrschen: die Bewerbung auf Papier und über das Internet

Maren Klotz

Am nächsten Dienstag sind bei der Lufthansa die Piloten dran: Auch in diesem Zweig des Unternehmens wird man sich dann nur noch online bewerben können. Doch nicht nur für die Lufthansa gilt: Wer heute einen Job sucht, kann es sich nicht aussuchen, ob er sich schriftlich bewirbt oder über das Internet, wie es immer mehr Firmen verlangen. Egal, ob man nun als 30-Jähriger oder als 50-Jähriger eine neue Stelle sucht, die nötigen Computerkenntnisse werden einfach vorausgesetzt. Und so schwierig ist das zumeist auch gar nicht.

Peter Stöve (29) ist Ingenieur und hat in Berlin studiert. Nach dem Studium fand er eine Stelle in einer Berliner Druckerei. Doch schon kurze Zeit später war klar: Die Firma verlagert ihren Standort. In eine ostdeutsche Kleinstadt wollte er dem Unternehmen aber nicht folgen. Deshalb suchte er im Internet auf einer Website für Druckereien nach Stellenangeboten. Dabei stieß er auf die Anzeige einer Druckerei in München. Er füllte das kurze Bewerbungsformular im Netz aus. „Das ging spontan, vielleicht hätte ich eine schriftliche Bewerbung gar nicht abgeschickt“, sagt Stöve.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Formen von Online-Bewerbungen. In den meisten Fällen lassen sich die Firmen die Unterlagen per E-Mail zuschicken. Anschreiben in der E-Mail, Lebenslauf und andere Dokumente im PDF-Format sind die Regel (siehe Kasten). Als zweite Variante haben sich Internet-Formulare eingebürgert. Dort fragen die Unternehmen genau jene Angaben ab, die sie besonderes interessieren. Neben diesen beiden Verfahren existieren zwar noch die unverbindlichen Bewerberdatenbanken der Internet–Jobbörsen. Im Gegensatz zu den firmeneigenen Formularen sind diese allerdings wegen des Überangebots an Arbeitskräften nur für spezielle Fachkräfte effektiv. Aber egal, in welcher Form Unternehmen die Daten fordern: Da man sich nicht aussuchen kann, wie der potenzielle Arbeitgeber sich die Bewerbungen wünscht, muss man für alle Fälle vorbereitet sein. Dazu gehört auch, nach der Online-Bewerbung noch schriftliche Unterlagen bereit zu halten – oft fordern Firmen in der zweiten Auswahlrunde eine klassische Bewerbungsmappe.

„Alle größeren deutschen Firmen akzeptieren inzwischen Online-Bewerbungen “, sagt Svenja Hofert, Autorin des Ratgebers „Online bewerben“. 30 Prozent der Bewerbungen gehen heute bei deutschen Unternehmen über Online-Kanäle ein, das ergab eine Studie der Universität Frankfurt am Main. An Firmen mit über 10 000 Mitarbeitern werden im Durchschnitt sogar knapp die Hälfte der Bewerbungen per Computer geschickt. Doch Unsicherheiten bleiben. Nicht nur Peter Stöve fragte sich, ob er auf eine Anzeige im Netz generell auch mit einer Online-Bewerbung reagieren soll. Olaf Möller vom Landesarbeitsamt Berlin-Brandenburg rät Bewerbern, die keine Stelle in der Computer-Branche suchen: „Alle die absolut sicher sein wollen, dass ihre Bewerbung postalisch und mental ankommt, sollten den schriftlichen Weg wählen.“ Das Arbeitsamt fördert Bewerbungen von Arbeitslosen mit 250 Euro jährlich pauschal oder mit fünf Euro je Bewerbung.

Die Einschätzung des Arbeitsamtssprechers geht allerdings an der aktuellen Bewerbungswirklichkeit vorbei, entgegnet Expertin Hofert. „Man muss immer telefonisch oder per E-Mail klären, ob eine schriftliche Bewerbung oder das Online-Verfahren bevorzugt wird. Einige Firmen wollen überhaupt nur noch elektronische Bewerbungen“, sagt Hofert. Daimler Chrysler zum Beispiel hat sein Bewerbungssystem auf Online-Formulare umgestellt. 200 000 Bewerbungen sind seit der Umstellung auf das elektronische System im Februar bei Daimler eingegangen. „Jetzt haben alle Personalbereiche auf die zentral gespeicherten Daten Zugriff“, sagt Daimler-Sprecherin Silke Walters. Auch Kostengründe spielen eine Rolle: Online-Bewerbungsunterlagen müssen nicht zurückgeschickt werden.

Allerdings kann die Online-Bewerbung Tücken bereithalten. Ein Beispiel: Mit Wasserzeichenpapier lassen sich E-Mail Bewerbungen nicht veredeln. Denn nach dem Einscannen sieht das teure Wasserzeichen eher nach einem Schmutzfleck als nach einem Zeichen für eine besonders elegante Bewerbung aus. Und was tun, wenn zu Hause kein Internetanschluss oder gar kein Computer vorhanden ist? Internetcafes sind hier die richtige Anlaufstelle. Das Arbeitsamt ermöglicht zwar den Internetzugang, mitgebrachte Disketten oder CDs, die Lebenslauf und Zeugnisse enthalten, lassen sich dort aber nicht öffnen.

Auch bei den Bewerbungsformularen droht Ungemach: Die vorgegebenen Felder engen mitunter den Mitteilungsdrang der Bewerber ein. Vor allem bei den Lebensläufen kann das zu einem echten Problem werden, wenn der Bewerber beispielsweise ein langes Studium über eine Liste von Forschungsprojekten erklären will. „Manchmal klappt es dann, mit Unternehmen einen individuelleren Bewerbungsweg auszuhandeln als über ein Formular“, rät Expertin Hofert in diesem Fall.

Peter Stöve hatte mit seiner Druckerei-Bewerbung jedenfalls Erfolg. Das Unternehmen in München stellte den Ingenieur ein. Und das unpersönliche Bewerbungsverfahren per Formular hatte für ihn nur Vorteile: „Ich konnte erst mal die Hard-Facts rüberbringen, und gucken, wollen die mich überhaupt?“ Und die Menschen hinter den Internet-Seiten hat er schließlich auch kennen gelernt: beim Vorstellungsgespräch.

Weitere Informationen unter:

www.arbeitsamt.de /hst/services/bsw

www.stellenratgeber.de

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