Zeitung Heute : Betreiber des „808“streitet bis zum letzten Schluck

Der Tagesspiegel

Die Szenebar „808“ in der Oranienburger Straße steht kurz vor dem Aus. Doch nicht, weil es an Gästen oder Umsatz mangelt. Vielmehr bekommt der Inhaber, Bob Young, keinen neuen Mietvertrag und sieht sich mit einer Räumungsklage konfrontiert. „Wenn kein Wunder passiert, werden Ende des Monats im ,808‘ die Lichter ausgehen“, so Young. Die Entscheidung des Gerichts erwartet er am 21. März.

Als der 40-jährige, aus Memphis in den USA stammende Young seine Geschichte erzählen will, klingelt das Handy. „Ja, der politische Salon mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in der Bar findet noch statt“, sagt Young ins Telefon. Nicht ohne Stolz erwähnt er, dass auch Gregor Gysi und Guido Westerwelle schon da waren. Das Programm der Bar reicht von Salongesprächen mit Politikern bis zu angesagten Homo-Partys.

„Es ist mir wichtig, dass die Leute wissen, warum wir hier rausgehen.“ Der Grund ist: Vor drei Jahren hatte er gemeinsam mit Wolfram Birkel, nebenbei Besitzer des Hauses, und Hans-Martin Helmerding begonnen, ein Konzept für die Bar zu entwerfen, im Dezember 1999 eröffneten sie. Ein Jahr ging alles gut, doch dann zerstritten sie sich. Im Sommer 2001 meldeten sie Insolvenz an, weil die Bar wegen der Auseinandersetzungen an Ausstrahlung verlor. Gemeinsam mit den Vertretern der Bank und des Arbeitsamtes, die an der Erhaltung der 15 Arbeitsplätze interessiert waren, einigte man sich darauf, dass Bob Young nun allein die Bar weiter führt.

Young entwickelte ein Sanierungskonzept und gründete eine Auffanggesellschaft, organisierte den Betrieb um, und durch steigende Umsätze sah er sich in seinem Konzept bestätigt. Völlig klar war für ihn, dass nur noch über Kleinigkeiten eines neuen Mietvertrages mit Birkel verhandelt werden müsse–eine Formsache. Auch für Insolvenzverwalter Philipp Hackländer stellt es sich so dar, „dass Herr Birkel mit Herr Young über einen neuen Mietvertrag verhandelt hat“. Sonst hätte Young doch keine neue GmbH gegründet.

Doch jetzt wolle Hausbesitzer Wolfram Birkel, aus der Familie des Nudelfabrikanten Birkel, von dem einer eventuellen Verlängerung des Mietvertrags nichts mehr wissen, so Young. Vielmehr strenge er vor Gericht eine Räumungsklage an. Wofram Birkel war gestern nachmittag „gerade beim Besteigen eines Fugzeuges“ und wollte daher gegenüber dem Tagesspiegel keine Stellungnahme abgeben.

Im Augenblick ist Bob Young eher resigniert. Um einen teuren und zeitraubenden Prozess über mehrere Instanzen durchzustehen, „fehlen mir die Nerven und Finanzen“, sagt er. Christoph Villinger

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