Bewegung in Architektur übersetzen : Nik Haffner ist neuer Leiter des Zentrums Tanz

Wie übersetzt man Sprache in Tanz? Und Tanz in eine Skulptur? Und wie kann Architektur in Bewegung transformiert werden? Zum Rundgang bietet das HZT in den Uferstudios in Wedding einen Bewegungsworkshop für alle an und zeigt Studioperformances.

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Tanz ist mehr als Bewegung. Nik Haffner im Gespräch mit einer Studentin.Foto: J. Bock
Tanz ist mehr als Bewegung. Nik Haffner im Gespräch mit einer Studentin.Foto: J. Bock

„Der Übersetzungsakt ist etwas, das wir ständig praktizieren“, sagt Nik Haffner, künstlerischer Leiter des Hochschulübergreifenden Zentrumsf Tanz (HZT), der gemeinsamen Ausbildungs- und Forschungsstätte für zeitgenössischen Tanz der UdK Berlin und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.

An einem regnerischen Nachmittag sitzen etwa 20 junge Tänzer in einem Proberaum der Weddinger Uferstudios. In den nächsten drei Wochen arbeiten sie mit Studenten der Tanzwissenschaft, einem Architekten-Duo und mit ihrem Professor zusammen, um die Übertragungsmöglichkeiten von Tanz und Architektur auszuloten. Dabei sind Missverständnisse an der Tagesordnung: „Architekten und Tänzer können über ein und denselben Begriff reden, aber etwas vollkommen Verschiedenes meinen“, sagt Haffner.

Schon die Tanzwissenschaftler und die Tänzer sprechen unterschiedliche Sprachen. „Die Wissenschaftler sind sehr viel artikulierter, immer bereit, aus dem kleinsten Wort auch das Letzte herauszuholen“, sagt Haffner. „Die Tänzer gehen eher intuitiv an die Sache heran. Sie haben die Einstellung: Let’s try it out.“

Davon können beide Seiten profitieren, findet der 44-Jährige. „Deutschland war ja eher bekannt für eine getrennte Lehre, mit Tanz- und Theaterwissenschaften auf der einen und den künstlerischen und performativen Studiengängen auf der anderen Seite.“ Diese Trennung will er aufweichen. Er erinnert sich an seine Zeit als Tänzer bei William Forsythe in Frankfurt. Die Kompanie des amerikanischen Choreographen ist weltberühmt und bekannt dafür, Künstlerinnen und Künstler der unterschiedlichsten Bereiche zusammen zu bringen. Nach seiner Arbeit in Frankfurt experimentierte Haffner selbst in anderen Feldern. An der Ohio State University erlebte er die Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten Tanz und Medien, zuvor realisierte er selbst Projekte am Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie.

Doch zurück ins Studio: Haffner zeigt auf den Bildschirm seines Laptops. Ein Tänzer mit einem Sensor am Handgelenk erscheint gespiegelt auf einer Leinwand. Durch seine Bewegungen leuchtet er den Raum aus. „Den Tanz zu übersetzen in etwas Visuelles, das fand ich schon immer interessant.“ Seine Studenten sollen am Ende der drei Wochen eine Skulptur zu ihrer Projektidee erstellen. Und dann werden sie gelernt haben, die unterschiedlichen Sprachen zu deuten und zu übersetzen: in Performance und Theorie, Modell und Schriftform. Nantke Garrelts

Zum Rundgang bietet das HZT in den Uferstudios, Studio 11, Uferstraße 8/23 in Wedding einen Bewegungsworkshop für alle an und zeigt Studioperformances.

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