BEWEGUNGS melder : Schreck lass nach!

Sandra Luzina auf der Jagd nach Dämonen

Sandra Luzina

Das Tanztheater von Yasmeen Godder ist nur für toughe Zuschauer geeignet. Denn die israelische Choreografin arbeitet sich unerschrocken an den unterschiedlichsten Bedrohungsszenarien ab und tritt selbst schon mal als übermütiger Quälgeist auf. In „Strawberry Cream and Gunpowder“ hatte sie versucht, das nationale Trauma zu vertanzen. Sie zeigte, wie die permanent veröffentlichten Bilder von Kriegsgreueln, Folter und Selbstmordattentaten die Wahrnehmung angreifen. Für „I’m mean, I am“ hat sie den Horrorfilm vampiristisch angezapft. Die Sehnsucht nach Berührung schlägt hier um in den Schrecken der Intimität. Mit der Neufassung ihrer Choreografie Sudden Birds aus dem Jahr 2002 gastiert Yasmeen Godder nun in Berlin. Vier Tänzerinnen und ein Cellist begegnen sich in einem klinisch weißen Raum. Vorsichtig beginnen die Akteure, bekannte und befremdende Situationen durchzudeklinieren. Sie probieren unterschiedliche Rollenspiele und loten dabei physische und emotionale Grenzen aus. Der holden Weiblichkeit ist nicht zu trauen. Denn wie man weiß, stecken in jedem schönen Mädchen Dämonen oder besser – Godder-Monster.

HAU 2, Di 8.4. (Premiere), 20 Uhr, Mi/Do 9./10.4., 10 Uhr, 11/7 €

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