Zeitung Heute : Bewerber sollten bei jeder Frage ausgeschlafen sein

Der Erfolg beim Vorstellungsgespräch steht und fällt mit einer guten Vorbereitung

Anja BrandtD
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Interesse zeigen, Fragen stellen. Wer sich nicht nur abfragen lässt, sondern selbst das Wort ergreift, punktet im Gespräch. Foto:...Jens_Schierenbeck

Schwarz auf Weiß steht es da: „Wir möchten Sie zum Vorstellungsgespräch einladen.“ Die Bewerbung hat dem Unternehmen also gefallen. Nun heißt es, auch die nächste Hürde erfolgreich zu nehmen, um am Ziel „Ausbildungsplatz“ anzukommen. Doch wie bereitet man sich am besten auf das Gespräch vor? Und: Was sollte man währenddessen beachten?

Der Erfolg beim Vorstellungsgespräch steht und fällt mit einer guten Vorbereitung, sagt Bewerbungsberater Gerhard Winkler. Ganz wichtig dabei sei, sich zu informieren. Und zwar zum einen über die Ausbildung selber, aber auch über das Unternehmen. „Die Bewerber sollten im Kopf haben, auf welche Ausbildungsstelle sie sich bewerben“, so Winkler, „und sie sollten wissen, was die Inhalte der Ausbildung sind.“

Vorbereitung bedeutet als nächstes, sich intensiv mit dem eigenen Lebenslauf auseinanderzusetzen. „Die Bewerber müssen ihren Lebenslauf aus dem Effeff können.“, sagt Winkler. Denn aus ihm leiteten die Ausbilder die meisten Fragen im Gespräch ab.

„Nervosität vor dem Vorstellungsgespräch ist völlig normal“, sagt Wilfried Malcher, Geschäftsführer für Berufsbildungspolitik beim Handelsverband Deutschland (HDE). Malcher rät, die Situation vorher mit der Familie oder Freunden zu trainieren. Haben sich die Bewerber schlaugemacht, kommt die nächste Stufe der Vorbereitung: Jetzt geht es um das Äußere. „Ausgeschlafen sein, frisch gewaschen und geföhnt, nicht schrille und saubere Kleidung anziehen“, sagt Bewerbungsberater Winkler.

Luisa Urbschat, Ausbildungsleiterin beim Feinkostunternehmen Lindner, bekommt Bewerbungen für die Ausbildung zum Verkäufer, Einzelhandels- und Bürokaufmann, aber auch zur Fachkraft für Lagerlogistik. „Welche Kleidung der Bewerber tragen sollte, richtet sich nach der jeweiligen Ausbildung“, sagt sie. Mal sind also Kostüm oder Anzug angebracht, mal muss dies nicht sein. „Egal, welcher Beruf es ist, es kommt auf ein gepflegtes Erscheinungsbild an“, fasst Urbschat zusammen.

Schließlich sollten sich die Bewerber rechtzeitig auf den Weg machen. Denn Pünktlichkeit ist eine der Haupttugenden beim Vorstellungsgespräch. Wer dennoch zu spät kommt, sollte rechtzeitig anrufen. „Für eine plausible Entschuldigung haben die Personaler Verständnis“, so Malcher.

Im Gespräch heißt es dann: volle Konzentration, „und zwar die ganze Strecke über“, betont Winkler. Die Bewerber sollten auch bereit sein, spontan Aufgaben zu lösen.

Nicht zuletzt überzeugt, wer die Regeln des Anstands beherrscht. „Ausreden lassen, die oder den Gegenüber anschauen, freundlich und interessiert sein, sind das A und O“, so Malcher. Auch Natürlichkeit überzeugt die Ausbilder. Winkler: „Die Bewerber sollten nicht überheblich sein und versuchen, das Gespräch zu lenken.“ Auch sollten sie die Rahmenbedingungen akzeptieren. Das heißt zum Beispiel: „Nicht beschweren, wenn kein Kaffee angeboten wird“, so Winkler.

Im Idealfall stellen nicht nur die Ausbilder Fragen. „Wer Fragen stellt, zeigt, dass er sich mit der Ausbildung und dem Unternehmen auseinandergesetzt hat“, meint Luisa Urbschat, „und dass er sich dafür interessiert.“ Schließlich gilt: Wer ehrliches Interesse zeigt, überzeugt. Auch die Fragen nach Gehalt und Arbeitszeit findet die Ausbildungsleiterin angemessen – wenn es nicht die ersten sind und die einzigen bleiben. Punkten kann auch, wer Lernbereitschaft signalisiert. Urbschat: „Die Jugendlichen sollten sich bewusst sein, dass sie eine Ausbildung beginnen und willens sein, das zu akzeptieren, was ihnen die Ausbilder sagen.“

Letztlich gilt: „Ein Vorstellungsgespräch ist ein Überzeugungsgespräch“, betont Winkler. Die Bewerber sollten also nicht mit dem Ziel in das Gespräch gehen, sich beraten zu lassen. Sondern mit der klaren Absicht, den Ausbildungsplatz zu bekommen. Und wer sich gut vorbereitet hat, kann dem Gespräch entspannt entgegen sehen. Anja Brandt

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