Zeitung Heute : Bewusster Genuss

Essen darf man eigentlich alles – nur ausgewogen muss die Ernährung sein

Adelheid Müller-Lissner

Die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) beginnen mit der beruhigenden Feststellung: „Es gibt keine ,gesunden’, ,ungesunden’ oder gar ,verbotenen’ Lebensmittel." Allerdings: Alles steht und fällt mit der Menge, der Auswahl und der Kombination. „Bewusst und genussvoll, aber nicht mit Angst" solle man essen, sagt auch die Ärztin Susanne Schelosky, Pressesprecherin des in Potsdam-Rehbrücke ansässigen Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE).

Nur 30 Prozent der Energie sollten in Form des konzentrierten Energielieferanten Fett aufgenommen werden. Bei 2400 Kilokalorien sind das maximal 80 Gramm. Das klingt wenig. Doch schon eine durchschnittliche Portion Currywurst mit Pommes Frites hat um die 60 Gramm Fett. Eine Tafel Vollmilchschokolade enthält 35 Gramm. Dabei sollte im Speiseplan auch noch Platz für pflanzliche Fette sein, etwa das berühmte Olivenöl aus der „mediterranen Diät".

Gemüse und Obst enthalten reichlich Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Wer sich an die „Fünfmal am Tag"-Regel hält, bekommt genug davon, braucht normalerweise keine Zusatzpräparate und läuft nicht so schnell Gefahr, zuzunehmen. Soweit man das mit Ernährung erreichen kann, reduziert sich zudem das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Auch der Fruchtsaft zum Frühstück darf übrigens mitgezählt werden. Ansonsten ist Abwechslung angesagt. „Früchte und Gemüse der Saison sind schon wegen der kürzeren Transportwege und Lagerzeiten günstig", sagt Schelosky.

Getreideprodukte, Reis und Kartoffeln sollten die sättigende Grundlage der Ernährung bilden. Auch sie enthalten zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und – besonders die Vollkornprodukte – auch Ballaststoffe. Fleisch hingegen enthält viel Eisen und Vitamin B. 300 bis 600 Gramm davon pro Woche sind nach Angaben der DGE aber genug, um den Bedarf zu decken. Es sollte möglichst fettarm sein – und man kann auch ganz ohne auskommen.

Die gute alte Sitte, am Freitag Fisch aufzutischen, hat auch aus ernährungsphysiologischer Sicht Sinn, denn er versorgt den Körper mit Jod. Täglich sollten nach Möglichkeit Milchprodukte auf dem Speiseplan stehen. DGE und Bundesgesundheitsamt haben auch Richtlinien für hochwertige Kantinenessen für „Leichtarbeiter" ausgearbeitet, die kalorienarm und vollwertig sein sollten.

Insgesamt liegt der Außer-Haus-Verzehr im Trend. „Die Deutschen entwickeln sich zu einer Snack-Gesellschaft", heißt es in einer aktuellen Publikation der Centralen Marketing-Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA). Doch auch Fastfood kann ausgewogen zusammengestellt werden – und ist außerdem keineswegs eine beängstigende Erscheinung der Moderne: Im Jahr 1134 machte vor der Baustelle des Regensburger Doms eine Brotzeithütte

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