Zeitung Heute : Bhuttos Witwer ist neuer Präsident von Pakistan

Umstrittener Politiker gewinnt Wahl deutlich Mehr als 20 Tote bei Selbstmordanschlag

Islamabad - Der wegen früherer Korruptionsaffären umstrittene Politiker Asif Ali Zardari ist zu Pakistans neuem Staatschef gewählt worden. Der Witwer der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto errang bei der Abstimmung der Abgeordneten der beiden Parlamentskammern und der vier Provinzversammlungen am Samstag 281 der 426 abgegebenen gültigen Stimmen, wie die Wahlkommission in Islamabad mitteilte. Die Wahl war notwendig geworden, nachdem der langjährige Staatschef Pervez Musharraf am 18. August auf Druck der Regierung zurückgetreten war.

Zardari muss nun die Rekord-Inflation im Land wie auch die anhaltende islamistische Gewalt bekämpfen. Während der Wahl wurden bei einem Selbstmordanschlag in einem Vorort von Peshawar mindestens 20 Menschen getötet und mehr als 80 weitere verletzt.

Zardari, der die regierende Pakistanische Volkspartei (PPP) de facto anführt, war als klarer Favorit in die Abstimmung gegangen. Gegen ihn waren der ehemalige Richter Saeed uz Zaman Siddiqui, Kandidat der Muslimliga (PML-N), und der Musharraf-Vertraute Mushahid Hussain angetreten. Die PML-N von Ex-Premierminister Nawaz Sharif erkannte den Sieg des Bhutto-Witwers an, forderte Zardari jedoch zu Neutralität auf. Er solle die Führung der PPP abgeben, die er stellvertretend für seinen in Großbritannien studierenden Sohn Bilawal innehat, sagte PML-N-Chef Khwaja Saad Rafiq.

In der Bevölkerung ist Zardari wegen seiner Korruptionsaffären unbeliebt. Weil er sich als Minister im Kabinett seiner Frau Anteile an Staatsgeschäften gesichert haben soll, ist er noch heute als „Mister Zehn Prozent“ berüchtigt. Nach Bhuttos Amtszeiten als Regierungschefin (1988-1990 und 1993-1996) saß er wegen Korruption und eines Mordkomplotts elf Jahre im Gefängnis. Zardari beteuert, dass er einzig aus politischen Gründen eingesperrt wurde. Er kam erst in sein Heimatland zurück, nachdem Bhutto im Dezember vergangenen Jahres bei einem Anschlag gestorben war.

Zardari hat als Präsident weitreichende Befugnisse wie die Auflösung des Parlaments, aber auch schwierige Aufgaben. Die Wirtschaft des Landes, das zwischen 50 und 100 Atomsprengköpfe besitzen soll, schwächelt, die Inflation stieg seit Jahresbeginn auf einen asienweiten Rekordstand. Experten sagen einen baldigen Staatsbankrott voraus, sollte der Haushalt nicht in Ordnung gebracht werden. Die Armee hat weiter mit islamistischen Aufständischen in den an Afghanistan angrenzenden Stammesgebieten zu kämpfen. Da die US-Armee mit den pakistanischen Bemühungen nicht zufrieden ist, hat sie nach pakistanischen Angaben in den vergangenen Wochen dort vermehrt selbst Angriffe vorgenommen. Zudem erschüttert eine Terrorwelle das Land, bei der im vergangenen Jahr fast 1200 Menschen ums Leben kamen. AFP

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