Zeitung Heute : Bibliotheken auf Multimediakurs

KURT SAGATZ

Im "Halleschen Kometen", dem Jugendbereich der Amerika Gedenkbibliothek, ist die Bedeutung der neuen Medien schon heute greifbar.Mit das Erste, was ein Besucher beim Betreten des "Kometen" wahrnimmt, sind mehrere zu einem Rondell zusammengefügte Computerplätze, die den Kindern und Jugendlichen zum Surfen im World Wide Web sowie zum Verfassen und Lesen von E-Mails dienen.Hier herrscht eigentlich immer Hochbetrieb und ohne vorherigen Eintrag in eine Liste wäre der Andrang für die Bibliothekare nicht zu beherrschen.Direkt dahinter stehen weitere Multimedia-PCs.Auf ihnen können Info-CD-ROMs, Lernprogramme sowie Computerspiele genutzt werden - und auch hier ist die Nachfrage größer als das Angebot.

Wenn zumeist nur über den Weg in die Informationsgesellschaft und die multimediale Zukunft diskutiert wird, für die Berliner Jugendlichen ist das längst Teil ihres Lebens.Für die Bibliotheken ist es überdies eine Chance, den guten Draht zu den "Kids" in die Zukunft fortzuschreiben.Natürlich unter den Voraussetzungen, daß Bibliothekare den Umgang mit den neuen Medien beherrschen und die Infrastruktur in den Einrichtungen stimmt, wobei es hier in der Berliner Bibliothekslandschaft gehörige Unterschiede im Kenntnisstand der Mitarbeiter und der Ausstattung der Bibliotheken gibt.An den Mitarbeitern wird die Dienstleistung "Multimedia für Kids" nicht scheitern.Bereits im letzten Jahr fand eine groß angelegte Computerwoche statt, um Bibliothekaren, Kindern, aber auch Eltern Entscheidungshilfen beim CD-ROM-Kauf zu geben, neue Entwicklungen bei den Online-Medien aufzuzeigen oder einfach über die Entstehung von Multimedia-Titeln zu informieren.Die große Resonanz der Veranstaltungen im letzten November war für die Organisatioren Anlaß, die Multimedia-Aktivitäten in diesem Jahr nochmals zu steigern: Neben der Amerika Gedenkbibliothek werden Bibliotheken von 18 der 23 Berliner Bezirke an der diesjährigen Computerwoche (2.bis 6.November) teilnehmen.Insgesamt 40 Veranstaltungen zu den diversen Themen rund um die neuen Medien sind geplant, neben Informationsrunden auch Spiele-Wettbewerbe, Computer-Preisrätsel, Workshops und Podiumsdiskussionen.Das genaue Programm wird Anfang Oktober feststehen, entsprechende Broschüren liegen dann in den Bibliotheken aus.Zu den Höhepunkten der Veranstaltungsreihe gehört ferner die in sechs Bibliotheken stattfindende Mediennacht.Abgerundet wird die Reihe von einer Verlosung von Praktikumsplätzen.Hiermit soll den interessierten Jugendlichen ein direkter Einblick in die Produktion von Multimedia-Inhalten ermöglicht werden.

Die Bibliothekare sammeln Einblicke dieser Art bereits jetzt.20 von ihnen nahmen unlängst an einer Fortbildungsveranstaltung beim Tivola-Verlag teil, der sich durch seine Multimedia-CD-ROMs für Kinder und Jugendliche einen Namen gemacht hat.Hier erfuhren die Bibliothekare beispielsweise, wie aufwendig die Produktion eines Titels von der ersten Idee über die Konzeption bis zur Realisierung ist, zumal Multimedia auch bedeutet, daß kreative Köpfe aus den unterschiedlichsten Bereichen von Text, Bild und Ton zeitgenau zusammenarbeiten müssen.Als Partner für die Bibliotheksfortbildung konnte zudem die Computerschulungseinrichtung BB Jugend + Computer gewonnen werden, die den Bibliothekaren den praktischen Umgang mit Computer, Multimedia und Online-Kommunikation näherbringt.

Für die jungen Nutzer der Bibliotheken ist Fort- und Weiterbildung bislang noch kein Thema.Sie verfügen über einen direkten, spielerischen Zugang zum neuen Medium.Dies machte auch die Auswertung der 97er-Computerwoche deutlich.Die über 100 abgegebenen Fragebogen zeigen, daß es ihnen nicht um Theorie, sondern um Praxis geht.Als Beispiel hier nur einige Zitate: Zur Info-CD-ROM "Opera Fatal" heißt es: "Sehr gut, super, das Spiel ist total spannend, man lernt etwas." Oder zur Computersimulation "Sim City": "Man kann sehr viel bauen und seine Phantasie spielen lassen." Interessant ist, daß nicht nur Eltern den Computer als Vorbereitung für später ansehen, sondern auch die Kinder selbst, wie bei der Simulation "Industriegigant": "Sehr realitätsnah, bereitet die jungen Menschen aufs Erwachsenenleben vor", meinte ein 15jähriger Junge.Diese Einschätzung dürfte auch den Bibliothekaren gut gefallen haben.

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