Zeitung Heute : Big Brother im Kleider-Shop

Der Tagesspiegel

In einem Hamburger Textilgeschäft der Gebrauchtwaren-Kette „Kleidermarkt“ sind Kunden beim Umkleiden von einer Web-Kamera aufgenommen und live auf die Homepage des Unternehmens gestellt worden. Ein Polizeisprecher teilte mit, die Kamera sei in der vergangenen Woche abmontiert worden, nachdem eine junge Frau Anzeige erstattet habe. Die Kriminalpolizei ermittle wegen des Verdachts der andauernden sexuellen Beleidigung.

Der Hamburger Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger sagte, es müsse ebenso geklärt werden, ob auch ein Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz vorliege.

Eine Sprecherin der Werbeagentur tow, die das Internet-Konzept für das Unternehmen entwickelt hat, teilte mit, das Projekt sei schon vor eineinhalb Jahren „unter großem Aufwand“ der gesamten Hamburger Presse vorgestellt worden. Niemand habe seitdem Anstoß genommen.Im übrigen sei lediglich in einer Umkleidekabine eines „Kleidermarkt"-Geschäfts in der Hamburger Neustadt eine derartige Kamera installiert worden.

Zwei große Schilder in Sichthöhe hätten ausdrücklich auf die Internet-Aktion hingewiesen, sagte die Sprecherin weiter. Außerdem sei auf den Schildern darauf hingewiesen worden, dass Jugendlichen unter 18 Jahren die Nutzung dieser Kabine untersagt sei. „Wir haben die Homepage als Gag empfunden.“

Ganz vom Netz ist die anstößige Umkleidekabine aber noch nicht. Auf der Homepage vom Hamburger „Kleidermarkt“ ist immer noch ein Kino-Werbespot zu sehen, der nach der selben Masche funktioniert. Ganz nachzuvollziehen ist die Aufregung sowieso nicht. Für jedermann einsichtig steht seit Monaten eine Ankündigung auf der Shop-Website, dass „zwei Webcams direkt in der Umkleidekabine“ installiert sind. Tsp

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