Zeitung Heute : BILANZ NACH DEN ERSTEN 48 SPIELEN: Hierarchie im Weltfußball bestätigt

PARIS .In den vom Fernsehen eingeblendeten Gesichtern der Tribünen-Ehrengäste Joseph Blatter, Lennart Johansson oder Michel Platini spiegelte sich schon leichte Müdigkeit.Dabei geht die Weltmeisterschaft nach dem längsten Vorrunden-Marathon ihrer 68jährigen Geschichte mit dem Achtelfinale erst richtig los.48 Spiele haben die Spreu vom Weizen getrennt und das 32er-Feld halbiert.Am Sonnabend wurde eine K.o.-Runde eröffnet, deren Zusammensetzung trotz der Aufholversuche vieler kleiner Fußball-Nationen wenig Überraschendes birgt.Europa und Amerika haben ihre Besitzstände gewahrt, ein "Aufstand" des allein mit Nigeria vertretenen afrikanischen Kontinents oder der sogar leer ausgegangenen Asiaten blieb aus.

Im Konzert der wirklich Großen ist der Platz für den als Mitfavorit gestarteten dreimaligen Weltmeister Deutschland trotz einer wieder einmal günstigen Ausgangsposition in Gefahr.Immerhin blieb Deutschland durch den Gruppensieg die Niederlande als Gegner erspart.Die schon vor dem Turnier ausgesprochenen Worte Franz Beckenbauers erhalten vor dem Kräftemessen mit Mexiko neue Aktualität: "Die Gefährlichen sind nicht die Großen.Die Gefährlichen sind die, bei denen man geneigt ist, sie zu unterschätzen."

Ansonsten blieb bis zum Achtelfinale bei dieser WM fast alles im "grünen Bereich".Nur die "Equipe Tricolore" empfängt in der Runde der letzten 16 mit Paraguay, das Spanien und Bulgarien aus dem Feld schlug, einen echten Überraschungsgast.Doch auch die gehören schon immer zu einem WM-Turnier wie der Ball.Zehn Vertreter Europas und fünf aus Lateinamerika haben sich das Weiterkommen gesichert.Unerwartet kam aber, daß ausgerechnet mit Spanien und Belgien zwei Etablierte durch eigene Unzulänglichkeiten nach 20 Jahren erstmals wieder ihren Stammplatz verloren.

"Ich glaube, daß sich bei dieser WM der von technischer Brillanz geprägte Fußball am Ende durchsetzen wird.Wir erleben eine WM des Offensivfußballs.Für mich werden die Mannschaften triumphieren, die nach vorne spielen und einen von Technik und Spielwitz charakterisierten Fußball bieten", schaute Brasiliens Legende Pele voraus.Brasilien - trotz der Blamage gegen Norwegen -, Frankreich, die Niederlande und Nigeria entsprechen bei "France 98" wohl am ehesten diesem Ideal und werden mittlerweile stets als engster Favoritenkreis genannt.Im deutschen Lager hat sich offenbar eine gewisse Hochnäsigkeit noch nicht gelegt."Ich habe bei diesem Turnier noch keine perfekte Mannschaft gesehen.Ich habe aber auch keine gesehen, wo ich sage, die muß Weltmeister werden.Wie jetzt der Verlauf des Turniers ist, können wir jeden schlagen", meinte Jürgen Klinsmann.

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