BILDGESCHICHTENHans Hillmann und Jirí Šalamoun : Von Adam bis Zufall

Magdalena Ulrich

Jirí Šalamouns Bildgeschichten überraschen: farbkräftig, naiv, wie Kinderbuchzeichnungen, und doch sind sie voll von schwarzem Humor. Die fünfteilige Gouache „Chronik einer Stadt“ mit einem Mund und einem Messer als Motiv gibt eine Anleitung zum Abschneiden einer Zunge.

Die Kunstbibliothek zeigt den in Prag geborenen Šalamoun in einer gemeinsamen Ausstellung mit Hans Hillmann. Das leuchtet erst auf den zweiten Blick ein, denn die beiden Grafiker sind stilistisch konträr: Šalamoun zeichnet expressiv und spielerisch, Hillmanns Bilder dagegen sind reduziert und sorgsam komponiert. Hillmann stellt schnappschussartig ungewöhnliche Szenen in Schwarz-Weiß dar und verwandelt in seinen „ABC-Geschichten von Adam bis Zufall“ Bilder zu Schrift.

Das Verbindende der beiden Grafiker ist der Blick für das überraschend Komische, für das Unwirkliche und die Verwandlung. Darauf spielt der Ausstellungstitel „ich hab geträumt ich wär ein hund der träumt“ an, der aus einem Buch Hillmanns stammt. Die Ausstellung zeigt außerdem die gemeinsame Vorliebe der beiden Grafiker für Kriminalgeschichten und für die humorvolle Darstellung von Tod und Unglück. Beide Grafiker bewegen sich an den Schnittstellen von freier und angewandter Kunst, von Comic und Karikatur, von Schrift und Bild und sind stark vom Film geprägt: Hillmann wurde durch seine Filmplakate bekannt, seine Aquarelle wirken wie Standbilder aus Kinofilmen der Fünfziger. Šalamoun hat selbst eine Reihe von Animationsfilmen umgesetzt, einige davon werden im Foyer gezeigt.Magdalena Ulrich

Kunstbibliothek, bis So 5.2.12, Di-So 10-18 Uhr, 6 €, erm. 3 €

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