Zeitung Heute : Billig surfen auf dem Land

KURT SAGATZ

Die Online-Dienste T-Online, AOL und CompuServe wetteifern im AngebotVON KURT SAGATZ HANNOVER.Die Zeiten für Online-Nutzer werden besser - vorausgesetzt, sie haben sich für den richtigen Dienst entschieden.Schnellere Übertragungsraten durch Einsatz neuer Modemtechnologie, zentrale Einwahlnummern zum Ortstarif, niedrigere Minutenpreise und die Aussicht, irgendwann in den Genuß der neuen Hochgeschwindigkeitstechnologie ADSL zu kommen (siehe Kasten), sind für die Kunden der beiden großen Online-Dienste in Deutschland, T-Online und AOL, recht verlockend.Auf der anderen Seite müssen sich die Nutzer von CompuServe vorerst mit Vertröstungen auf eine bessere Zukunft und einigen interessanten Visionen zufrieden geben.Und vom Microsoft-Network, dem MSN, war auf der CeBIT überhaupt nichts zu hören.Nur im Vorfeld hatte der Dienst bekanntgegeben, daß das inhaltliche Angebot weiter zurückgefahren wird. Den wohl absehbar größten Sprung macht derzeit AOL, das Joint-Venture von America Online und Bertelsmann.Der Dienst baut die Zahl der Zugänge von 90 auf 220 aus und wird in Kürze unter der bundesweit einheitlichen Einwahlnummer 01914 zu erreichen sind.Bislang verfügt nur T-Online über eine zentrale Einwahl.Wichtig dabei ist der Umstand, daß damit auch AOL die bundesweite Einwahl zum Ortstarif ermöglicht.Gute Nachrichten also für alle Nutzer, die nicht innerhalb der großen Ballungsräume wohnen, was immerhin auf ein Drittel der inzwischen 500 000 deutschen Kunden zutrifft.Denn sie können nun bis zu 65 Prozent der Kosten für die Telekom-Verbindung sparen, rechnete AOL-Deutschland-Geschäftsführer Andreas von Blottnitz auf der CeBIT vor. Genauso wichtig für eine möglichst geringe Telefonrechnung ist die Einführung der X2-Technologie des Modemherstellers U.S.Robotics, der seit kurzem unter dem Label 3Com firmiert.Mit dieser Technologie wird die Menge der übertragenen Daten in Richtung des Nutzer auf 56 600 Bit je Sekunde verdoppelt. Einfacher und komfortabler wird der Zugang ins Internet für die AOL-Kunden demnächst durch die Einführung der neuen Zugangssoftware 4.0.Die neue Software integriert den derzeit aktuellen Microsoft Internet Explorer 4.0 harmonisch in das Gesamtbild der Navigationssoftware, so daß die Grenzen zwischen Angeboten von AOL und dem Internet immer weiter verwischen.Verbessert wird zudem der E-Mail-Client, der künftig auch Hyperlinks, beliebige Schriftarten sowie die Integration von Bildern ermöglicht. Vollgas und niedrige Gebühren verspricht auch der derzeitige Marktführer unter Deutschlands Online-Diensten, die Telekom-Tochter T-Online.So wird der Minutenpreis für die T-Online-Nutzung während des Tages von acht auf fünf Pfennig reduziert.Mit inzwischen über zwei Millionen Kunden ist T-Online zugleich der größte deutsche Internet-Provider.Der damit verbundenen Verantwortung will sich das Unternehmen nun dadurch stellen, daß T-Online die Navigation durch den deutschsprachigen Teil des Netzes vereinfachen will, wie Telekom-Vorstand Herbert May in Hannover erklärte.Hierzu plant die Telekom zusammen mit dem Axel-Springer-Verlag, der Holtzbrinck-Gruppe und dem US-Unternehmen Infoseek eine strategische Allianz mit dem Ziel, eine Internet-Such- und -Navigationshilfe zu entwickeln. Technologisch spannender dürfte die Beteiligung von T-Online am ADSL-Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen werden.Die neue Datenübertragungstechnologie übersteigt die Leistungsfähigkeit von ISDN-Verbindungen bei weitem, und das bei Nutzung der herkömmlichen Telefonleitungen.Neben den Piloten in Köln-Bonn und Düsseldorf sind weitere sieben Regionen für Tests ausgewählt worden, darunter auch Berlin. Weniger euphorisch nehmen sich dagegen die Verlautbarungen des weltweit ältesten Online-Dienstes CompuServe aus, der seit Februar zu AOL gehört und als Marke für professionelle Nutzer weitergeführt werden soll.Derzeit operiert das Unternehmen vornehmlich mit Verweisen auf die nähere Zukunft.Man strebe eine 100-Prozent-Lösung für die Beseitigung der derzeitigen Mängel an, erklärte der frisch gebackene Deutschland-Geschäftsführer Konrad Hilbers.Dabei beweist die neue CompuServe-Mannschaft durchaus Phantasie: Neben der Einführung einer neuen Zugangssoftware, die auf dem Internet Explorer 4.0 aufsetzt, und Abrechnungen auf Basis der lokalen Währungen sind eine Reihe von Verbesserungen im Gespräch, die als innovativ angesehen werden können.Geplant sei beispielsweise, daß eingehende Faxe als Bilddateien über E-Mail zum Empfänger gebracht werden sollen, und auch die Kommunikation mit Mobiltelefonierern über Short Messages soll deutlich erweitert werden, so der CompuServe-Manager. Phantasie entwickelt man bei CompuServe auch in Hinblick auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen.Sobald alle Probleme behoben seien, sei eine Verdoppelung der Mitgliederzahlen von derzeit 850 000 in Europa, davon 250 000 in Deutschland, in den nächsten zwei, drei Jahren denkbar, so Hilbers.Erreichen will er dies über eine bessere Positionierung des Dienstes für professionelle Nutzer.Dafür soll zum einem das bereits jetzt sehr starke Foren-Segment ausgebaut und durch branchenspezifische Angebote beispielsweise für Rechtsanwälte oder Journalisten ergänzt werden. Ohne die technischen Voraussetzungen ist dies sicherlich nicht zu schaffen.In den kommenden zwölf Monaten soll dazu bei CompuServe die Technologieplattform rundum erneuert werden.Die Stichworte sind hier rationellere und stabilere Systeme, neue Zugangssoftware sowie neue Zugänge über andere Netze wie AOL oder CNS.Überhaupt verspricht sich Hilbers viel von den Synergien im Verbund mit AOL und Worldcom.Der erste Schritt dazu wurde auf dieser CeBIT bereits getan.In ihren Werbeauslagen verweisen AOL und CompuServe auch auf gegenseitige Combi-Werbepakete.

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