BIOGRAFIE-EPOS„Che – Revolucion“ von Steven Soderbergh : Kampf im Matsch

Christina Tilmann

Es regnet immer, im Dschungel, die Truppe ist dezimiert und demoralisiert, der Anführer kämpft mit seinem Asthma, schleppt sich hustend durch den matschigen Wald. Revolution ist kein Kinderspiel, und dass diese Lumpentruppe tatsächlich den Regierungstruppen von General Batista Widerstand leisten kann – man glaubt es kaum. Bis dann irgendwann die Armee ein Camp der Aufständischen entdeckt, mit Krankenhaus, Unterkünften, ja sogar Schulen, und anerkennen muss: Die sind doch viel besser organisiert, als wir dachten.

Als großer Organisator: So erscheint Che Guevara in Steven Soderberghs Film: sehr ernst, sehr beherrscht, sehr verhalten, zerrieben in den vielen kleinen Schritten der Revolution. Benicio Del Toro, der für die Rolle 2008 in Cannes den Preis als bester Darsteller bekam, versteckt seine unbestreitbare körperliche Präsenz hinter Bart, Barett und Zigarre. Was diesen Mann antreibt, erfährt man kaum. Eitelkeit, Härte gegen sich und gegen andere, Idealismus, auch wenn alle äußeren Umstände zur Verzweiflung Anlass geben – man hätte gern mehr gesehen von dieser längst zum Mythos gewordenen Gestalt, die Steven Soderbergh mit seinem zweiteiligen Revolutionsepos auf die Mühen der Realität zurückführen will. Mehr auch von den Motiven eines Regisseurs, der sich nach Leichtgewichten wie der „Ocean’s“-Trilogie ein äußerst ehrgeiziges Thema gewählt hat.

Allein: Die Motivation des argentinischen Medizinstudenten, der auf einer Reise quer durch Lateinamerika sein Herz für die Sache der Revolution entdeckt, hat Walter Salles in „The Motorcycle Diaries“ viel deutlicher gemacht. „Che – Revolucion“ beginnt in dem Moment, in dem Che Guevara in Mexiko Fidel Castro kennenlernt – auch über dieses schwierige Verhältnis erfährt man nicht viel. Ein harter Hund – und ein Idealist, der gegen Analphabetismus und Unterernährung kämpft und sich später als kubanischer Industrie- und Handelsminister in New York bereitwillig zu Partys schleppen lässt. Überhaupt scheint es, als liefere „Che – Revolucion“ nur die Vorgeschichte zum zweiten Teil, dem Kampf in Bolivien, in dem das Scheitern der Revolution offensichtlich wird. „Che – Guerilla“ startet am 23. Juli. Zäh. Christina Tilmann

„Che – Revolucion“, USA 2008, 131 Min.,

R: Steven Soderbergh, D: Benicio Del Toro, Catalina Sandino Moreno, Julia Ormond

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