Zeitung Heute : Bis zum Schluss das letzte Wort Wieso Saddams Presseminister immer nur vom Siegen spricht

10.04.2003 00:00 UhrVon Andrea Nüsse

Die US-Regierung ist eine „Schurkenbande“, eine „Bande von Mördern und Verbrechern“, die Amerikaner sind „Aussätzige der Staatengemeinschaft“. Ihre Soldaten sind „Söldner“, Bush ist „dumm“, der britische Verteidigungsminister „ein Esel“. Und Mohammed Said Al Sahaf ist Saddams Informationsminister.

Im Kampf um die Weltmeinung braucht das irakische Regime ein Gesicht, einen Kopf, der auf den Fernsehschirmen seinen Standpunkt vertritt. Monatelang war das Saddams Berater General Amer Al Saadi. Er informierte in täglichen Pressekonferenzen in Bagdad über die Arbeit der UN-Inspekteure und beantwortete Fragen der ausländischen Journalisten.

Wie konnte der eloquente und gebildete Mann für Saddam arbeiten, fragten sich manche. Diese Frage stellt sich bei seinem Nachfolger nicht.

Seit Kriegsbeginn ist Informationsminister Mohammed Said Al Sahaf das Gesicht der irakischen Führung. Bei dem 63-Jährigen, der täglich in grüner Militäruniform die Journalisten in Bagdad instruiert und über die Bildschirme der Welt flimmert, fragen sie sich mittlerweile, ob er noch bei Verstand ist, oder Opfer seiner eigenen Propaganda. Anfangs war noch zu verstehen, dass die Iraker die militärischen Erfolge der Amerikaner bestritten. Etwa als die amerikanisch-britischen Militärs die Einnahme von Umm Kasr und Basra verkündeten, die Kämpfe um die beiden Orte aber noch tagelang weitergingen. Doch als am Montag die ersten US-Panzer ins Zentrum Bagdads rollten und irakische Soldaten in Unterhosen auf der Flucht gezeigt wurden, verkündete Sahaf noch immer, dass die Amerikaner sich ihr eigenes „Grab“ schaufelten. Dazu lächelte er zuversichtlich.

Schon als Außenminister – von 1992 bis 2001 – fiel Al Sahaf mit markigen Attacken auf: Er beschimpfte die UN-Waffeninspekteure, und beim Treffen der Arabischen Liga in Amman 2001 brüskierte er die Nachbarstaaten, die den Irak mit Kuwait versöhnen wollten. Er sagte: „Friede sei mit denen, die es verdienen.“ Daraufhin verlor er sein Amt.

Der südlich von Bagdad bei Kerbela geborene Al Sahaf ist Schiit und damit Außenseiter im sunnitisch dominierten Führungsclan. 1963 ging er in die Baath-Partei, Ende der 60er Jahre wurde er Chef des staatlichen Rundfunks, später war er Botschafter, unter anderem bei der Uno. Als Staatssekretär im Außenministerium soll er 1982 den Besuch des heutigen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld organisiert haben – damals unterstützten die USA Bagdad. Doch Diplomatie ist Vergangenheit, jetzt ist die Zeit der Drohungen. Die formuliert Sahaf nicht nur wortreich auf Arabisch, sondern auch auf Englisch, wenn ihm sein Übersetzer zu langsam ist. Sahaf wollte früher Englischlehrer werden.

Vielleicht ist ihm seine neue Rolle zu Kopf gestiegen, und er spielt deshalb den Unerschrockenen. Jedenfalls scheint er das Rampenlicht zu genießen. So hat er vor einigen Tagen einen arabischen Fernsehsender eingeladen, sein Büro zu filmen, wo er „Tag und Nacht arbeitet“.

Nachdem das „Palestine“ beschossen worden war, tauchte er noch einmal vor dem Hotel auf. Er sagte: „Wir haben sie in ihren Panzern gefangen.“ Die amerikanischen Soldaten würden „in sehr passender Weise behandelt werden.“

Vielleicht hat sich Sahaf in jahrelanger Propagandaarbeit für das Regime ja auch nur daran gewöhnt, dass man den Leuten ungestraft jede Lüge auftischen kann. Und so tut er einfach nur, was er gelernt hat. Das irakische Staatsfernsehen, konnte indes am Dienstag nicht mehr senden.

    Ein Service von
    Angebote und Prospekte von kaufDA.de
Service

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite

Leserdebatten

Alexanderplatz, Hertha, Mediaspree: Leserdebatten auf Tagesspiegel.de.

Diskutieren Sie mit!

Tagesspiegel-Partner

  • Wer passt zu mir?

    Finden Sie jetzt den passenden Partner. Hier wird jeder 3. fündig!
  • Stellensuche

    Experteer.de: Zugang zu einem exklusiven Headhunternetzwerk und über 80.000 Stellenangebote!
  • Sie möchten einkaufen?

    Hier finden Sie die aktuellen Prospekte der Einzelhändler aus Ihrer Region.
  • Schreiben Sie?

    So kommen Sie zum eigenen Buch.
  • Fotoservice

    Gestalten Sie Ihr individuelles Fotobuch mit dem Tages-spiegel-Fotobuchservice.

Erleben sie mit tagesspiegel.de die ganz besonderen Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. Hier können Sie sich Ihre Tickets zum Aktionspreis sichern.

Weitere Tickets...