BLACK MUSICSolange : Me, my Sister & I

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Es war eine dieser absurden Kurzmeldungen auf den Klatschseiten der Tagespresse: Im letzten November wurde Solange Knowles auf dem Flughafen von Miami einer Sicherheitskontrolle unterzogen – und zwar explizit ihr ausladender Afro nach „Drogen oder gefährlichen Gegenständen“. Die von der Betroffenen im Nachhinein eher humorvoll kommentierte Episode sagt nicht nur einiges über den Alltagsrassismus amerikanischer Behörden, sondern auch über den überraschend geringen Bekanntheitsgrad einer Künstlerin aus, die sich trotz einer weltberühmten Schwester weitgehend außerhalb der Prominentenzirkel der Popmusik bewegt. Solange ist die kleine Schwester von Beyoncé, aber von deren Superstar-Kategorie mit 75 Millionen verkauften Platten ist sie himmelweit entfernt.

Dabei hat die 26-Jährige schon Nachweise ihres enormen Talents abgeliefert. Nur scheint die Musikindustrie noch nicht begriffen zu haben, was für ein kreatives Potenzial da schlummert. Nach einem braven R’n’B-Debüt bezeugte Solanges Zweitwerk, mit dem sie sich an einem Update des Motown-Girlgroup-Sounds der Sixties versuchte, das Reifen zur eigenständigen Pop-Autorin. Der große Erfolg indes blieb aus, auch mangels Unterstützung seitens ihrer Plattenfirma. So erscheint ihr jüngstes Werk, die EP „True“, beim Indie-Label des Grizzly-Bear- Bassisten Chris Taylor, dürfte also wenig Chancen haben, von der Black-Music-Gemeinde wahrgenommen zu werden. Ein Jammer, denn ihre von soundtechnischem Bling-Bling entschlackten und von unterkühlten Synthieflächen und Old-School- Hip-Hop-Beats getragenen Songs klingen ähnlich wagemutig wie der Neo-Soul der Britin Jessie Ware. Also fantastisch.Jörg Wunder

Prince Charles, So 20.1., 20 Uhr, 18 € + VVK

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