BLACK MUSIC Trey Songz : Der Prinz von Virginia

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Die Popularität von Musikern lässt sich neuerdings ziemlich exakt quantifizieren. Anstatt wie früher umständlich die Anzahl der Platten, die auf den nationalen Märkten verkauft wurden, zu einer Gesamtgröße zu addieren, geht man einfach ins bekannteste soziale Netzwerk und schaut, wie viele „Gefällt mir“-Klicks der Betreffende gesammelt hat. So gehört der R’n’B-Sänger Trey Songz mit knapp 14 Millionen Sympathiebekundungen zum gehobenen Black-Music-Mittelstand. Damit rangiert er in einer ähnlichen Größenordnung wie Jay-Z, was wiederum etwa die Hälfte der Klicks von seinem Freund und Konkurrenten Drake oder knapp ein Viertel derjenigen von Eminem ausmacht.

Nun kann man von Facebook- Klicks allein nicht leben. Die Popularität muss in klingende Münze, etwa Plattenverkäufe, umgewandelt werden. Wenigstens korrespondieren die beiden Größen selbst im fortgeschrittenen Download- und Streaming- Zeitalter noch. Und der Mann mit der einschmeichelnden Säuselstimme ist fleißig, hat nicht nur auf Dutzenden Alben von Mary J. Blige bis P. Diddy Gastauftritte absolviert, sondern auch selbst seit 2005 fünf Platten und rund 20 Singles in einen schwierigen Markt gepumpt. Dabei war Tremaine Aldon Neverson, wie der auf seinen frühen Mixtapes selbst ernannte „Prince of Virginia“ mit bürgerlichem Namen heißt, nicht gerade für eine Popkarriere prädestiniert: Er stammt weder aus einer Musikerdynastie, noch kann er mit einer straßenkrediblen Ghettoherkunft punkten. Vielmehr ist Trey Songz ein „Military Brat“, also ein Zögling von Angehörigen der US-Armee.Jörg Wunder

Huxley’s Neue Welt, Mi 9.1., 20 Uhr, 43 €

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